Die städtebauliche und architektonische Idee baut auf den historischen und gegenwärtigen Qualitäten des Ortes auf: Ein Terrain vague mit verschiedenartigen Häusern, stummen Schuppen, Platzflächen, einzelnen, wild gewachsenen Bäumen und einer lebendigen Kultur. Seiner heutigen Nutzung entsprechend wird das Areal Industriestrasse als ein «Lagerplatz in der Stadt» verstanden, auf dem unterschiedliche Menschen, Häuser und Ideen zusammenfinden. Es wird eine Kontinuität des Veränderlichen und Informellen gesucht. Das Projekt sieht auf diesem Platz eine «Versammlung» von sechs individuellen Häusern vor, die eine zusammengehörige, aber informell verbundene Gruppe bilden.
Mit der Häusergruppe werden verschiedene Aussenräume geschaffen. Die drei Hofräume bilden die gemeinschaftlichen und öffentlichen Zentren: der Quartierhof, der Spielhof und der Beizenhof. Aufgrund der freistehenden, solitären Häuser wird das Areal durchlässig und über zahlreiche Wegverbindungen in die Stadt eingebunden. Die Idee für den gemeinschaftlichen und öffentlichen Aussenraum sieht keine festgeschriebene Form vor, sondern verändert sich – einem Ökosystem gleich – durch die Interaktion von Menschen, Vögeln, Insekten und Pflanzen immerfort und lagert verschiedene Schichten ab.
Jede Genossenschaft erhält ihr eigenes, anderes Haus. Die Häuser unterscheiden sich nicht nur im Ausdruck, sondern ganz wesentlich bei den Wohnräumen. Neben der Idee für eine spezifische Wohnform sind die Räume bei allen Häusern aus dem jeweiligen konstruktiven Aufbau entwickelt. Diese Aufbauten folgen der Idee von «Stapelungen». Die Regeln der Stapelungen werden bestimmt über die Art der Holzelemente und die additive, tektonische Logik der Holzbauweisen: Stäbe, Platten, Raumkörper. Der Holzbau prägt den Innenraum in seiner Gestalt, Haptik und Atmosphäre.
In ihrer Unterschiedlichkeit bieten die sechs Häuser die Voraussetzung für ein durchmischtes und sich stetig wandelndes Quartier für alle Lebensformen und Altersgruppen. Das Wohnen nistet sich in den offenen Räumen ein. Ähnlich den Wandlungen im Aussenraum ist dieser Prozess nie abgeschlossen, die Spuren individueller Biografien werden erweitert, ausgedünnt und verändert.
Die Dachformen der fünf neuen Häuser prägen deren individuellen Ausdruck und Charakter. Durch die Dächer werden aus den Häusern eigentliche «Figuren». Zusammen bilden die Dächer eine Dachlandschaft, die eine zweite Ebene des gemeinschaftlichen Aussenraumes formt.
Haus #1 Wogeno
Von den fünf Häusern ist das Haus der Wogeno das kleinste. Mit seinen sechs Geschossen und dem Dachgeschoss erhält es dabei beinahe die Proportion eines kleinen Turmbaus, – eine Sphinx – bekrönt durch das «Gerüst» der Dachterrasse. Das komplett in Holz konstruierte Haus ist aus Balkenstapeln (tragende Wandschotten) und Balkenlagen (Decken) aufgebaut. Die sechs Balkenstapel gliedern den Grundriss in fünf Raumkompartimente mit Ost-West-Orientierung. In diesen Kompartimenten lassen sich – insbesondere mit den zwei Schaltzimmern – in den Treppenhausspangen unterschiedliche Wohnungsgrössen und -typen organisieren: von der 1- bis zur 5-Zimmer-Wohnung.
Haus #2 Wohnwerk
Das Haus der Wohnwerk liegt an der Industriestrasse und prägt die Adresse der Kooperation. Der konstruktive Aufbau aus Balkenstapeln und Balkenlagen ist eine Variation des Wogeno-Hauses. Die Balkenstapel bilden eine dreischiffige, längsgerichtete Grundrissstruktur aus. Die mittige Raumschicht dient als «geteilter» Raum. Westseitig befinden sich die Grundmodule «Wohnen» (Kochen, Wohnen, Zimmer, Bad), ostseitig sind zusätzliche Zimmer und Bäder angeordnet. Diese Disposition beschreibt das Konzept «atmender» und «geteilter» Wohnungen, eine Interpretation des Molekular-Ansatzes: Zum «Wohnen» können je nach Haushaltsgrösse Zimmer zugemietet oder weitergegeben werden («atmen»), das mittige Schiff wird mit der Stockwerkgemeinschaft geteilt.
Haus #3 LBG
Das Haus der LBG besetzt die Mitte des Areals und hat Anstoss an die drei Platzräume. Das Erdgeschoss nimmt den Kindergarten und die Kita auf. Das Haus besitzt ein eigenes Prinzip der «Stapelung», bei dem raumhaltige «Tubes» aufeinander geschichtet werden. In Querrichtung nehmen diese vorfabrizierten «Tubes» alle installierten Räume wie Küchen und Bäder auf. Die Decken bestehen aus röhrenförmigen Kastenelementen. Die Wohnungen entwickeln sich beidseitig respektive um einen Tube herum, was eine weitläufige «Geografie» im Innern erzeugt. Im überhohen Dachgeschoss liegen Musikräume (Vorführung, Musikschule etc.).
Haus #4 ABL
Das Haus der ABL ist der grösste Neubau, was sich in einer kompakten Grundrissorganisation mit grösseren Eckwohnungen und mittigen Kleinwohnungen mit Ost- respektive Westorientierung manifestiert. Die Gebäudestruktur besteht aus einem massiven Sockelgeschoss, auf dem sich ein filigraner Elementbau mit Brettholzscheiben errichtet – von der Leichtigkeit einem Kartenhaus ähnlich. Dieser Tragstruktur entspricht eine feingliederige Raumstruktur, bei der auf den Längsseiten sechs, auf den Schmalseiten ein Zimmer schaltbar sind und sehr viele Einstellungsmöglichkeiten hinsichtlich Wohnungsgrössen und -typen offen lassen. Alle Wohnungen werden über ein zweiteiliges Atrium erschlossen, das sich auf dem Dach in ein Glashaus für die Hausgemeinschaft öffnet.
Haus #5 GWI
Der Neubau der GWI wird in einer zweiten Etappe realisiert, wenn der Altbau am Geissensteinring weichen muss. Die Tragstruktur ist aus Brettsperrholzscheiben zusammengesetzt, die ein Raumkabinett aus einem Ring von kleineren und einem Kern von grossen quadratischen Räumen bilden. Die Raumkanten sind allseitig offen und lassen Raum für Fenster und Türen. Damit sind vielfältige Schaltmöglichkeiten gegeben: von der abschliessbaren 1-Zimmer-Wohnung bis zur Stockwerkswohngemeinschaft. Je nach Anzahl gebauter Türen können auch diese Wohnungen «atmen» und sich jederzeit den sich verändernden Bedürfnissen anpassen. Auf dem Dach ist ein Hauskraftwerk für die Warmwasserproduktion vorgesehen, das den Ausdruck des Hauses mitprägt.
Haus #6 Industriestrasse GWI
Das Haus an der Industriestrasse 9 wird umgebaut. Im Untergeschoss entsteht ein Konzertlokal, im Erdgeschoss neben dem Gemeinschaftsraum ein Restaurant mit Zugang zum Platz, im Obergeschoss findet eine Ateliergemeinschaft Platz und im Dach eine Wohngemeinschaft. Diese unterschiedlichen Raumstrukturen bauen alle auf dem inneren Skelettbau des alten Käselagers auf. Die Zimmer der Wohngemeinschaft im Dachgeschoss erhalten Licht über grosse «Ochsenaugen», die Teil der verspielten Dachlandschaft mit den vielen Kaminen wird. Das Haus ist ein wichtiger Identifikationsort für die Kooperation.
Das vom portugiesischen Architekten Júlio de Brito entworfene und 1936 fertiggestellte Wohnhaus verschränkt im Sinne des «Art déco» eine moderne Bauweise (Stützen-/Plattenbau in Stahlbeton) mit der Wohnungstypologie des Bürgertums und dekorativen Elementen im Innenausbau. Im Bestand fällt auf, dass der Dienstbereich der Wohnung nicht wie üblich mit einem zweiten Treppenhaus direkt erschlossen ist.
Der Umbau greift insbesondere im ehemaligen Dienstbereich der Wohnung ein, sieht aber gleichzeitig ein Verschleifen der Eingriffe in den Bestand vor. Raumfolgen mit Entrée, Salon, Flur und Esszimmer wurden beibehalten und durch die Neuplatzierung einiger Türen einerseits teilweise überkreuzt, andererseits wurden zu den orthogonalen Blickachsen neu auch Raumtiefen über die Diagonale gelegt.
Die Wohnung öffnet sich über die Fenster nach Norden und nach Süden. Entsprechend sind die Räume bei Tag entweder sehr hell oder nur wenig belichtet. Über die Verwendung von matten bis brillanten Materialien wird dieses Licht – ähnlich wie in den Stillleben von Willem Claeszoon Heda – diffus gestreut oder geschärft. Die Farbgebung der einzelnen Zimmer differenziert sich aus dem gekammerten Grundriss heraus und eröffnet durch diese kolorierte innenräumliche Staffelung eine weitere Tiefendehnung.
Ausgangslage
Die denkmalgeschützte Villa Syz an der Signaustrasse in Zürich-Riesbach wurde 1912 von den Architekten Pfleghard & Haefeli gebaut. Sie bildete eine räumliche Einheit mit dem vom jungen Gustav Ammann entworfenen Garten. Den Entwurf hatte Ammann noch im Angestelltenverhältnis bei den Gebrüdern Froebel erarbeitet, die aufgrund einer nach ihnen benannten Seerose noch heute bekannt sind. Der Garten markierte den Übergang vom landschaftlich geprägten Hausgarten zum Architekturgarten. Er wurde in den 1960er Jahren im Zuge der Umnutzung des Hauses zum Bürogebäude und des Baus von Parkplätzen zerstört. Mit dem erneuten Umbau zum Guesthouse mit Kino findet das Gebäude über eine Neuanlage des Gartens, der inhaltlich am Architekturgarten anknüpft, seine alte Bedeutung wieder.
Die zweigeschossige Villa wies im Grundriss eine einfache Raumaufteilung auf, die den grossbürgerlichen Wohn- und Repräsentationsvorstellungen jener Zeit gerecht wurde. Im Erdgeschoss bildeten Eingangshalle und Vestibül eine mittlere Raumschicht für Ankunft und Erschliessung aus. Seitlich daran angegliedert fanden sich grosse Wohn-, Ess- und Gesellschaftsräume. Strassenseitig lagen die dienenden Räume mit Küche und Garderobe. Eine verglaste Veranda markierte den Übergang zum Garten. Im Obergeschoss weitete sich die Halle auf und erschloss die mehrheitlich gartenseitig liegenden Privaträume. Im Dachgeschoss befanden sich weitere Schlaf- sowie Personalräume.
Umbau
Die private Bauherrschaft führt die Villa einer neuen Nutzung zu. Das Projekt beinhaltet den Umbau – inklusive Ausstattung und Möblierung – zu einem gehobenen Bed & Breakfast mit neun Zimmern im Ober- und Dachgeschoss. Für die neuen Badezimmer wurden kleine, zwischenliegende Zimmer geteilt und den Eckzimmern zugeschlagen. Die sanitäre Erschliessung erfolgt in den neuen Trennwänden, sodass Eingriffe in die geschützte Bausubstanz minimiert wurden. Die Gesellschaftsräume im Erdgeschoss sowie der Garten dienen dem Aufenthalt der Gäste, gleichzeitig schafft sich die Eigentümerschaft hier Räume für private Anlässe und Empfänge. Dazu zählt auch der Einbau eines separat zugänglichen Kinos mit Foyer im Untergeschoss. Das Projekt umfasst schliesslich die haustechnische Neuinstallation des Haues sowie den Bau einer kleinen Tiefgarage.
Das Einrichtungs-, Farb- und Materialkonzept nimmt die Entstehungszeit der Villa zum Ausgangspunkt. Die wichtigsten Einflüsse – namentlich die Idee des englischen Landhauses – kamen damals aus England und verbreiteten sich über Deutschland und Wien in Kontinentaleuropa (Protagonisten waren u. a. Hermann Muthesius aus Deutschland und Josef Hoffmann sowie später auch Adolf Loos aus Wien). Zusätzlich wurden zeitgenössische Entwürfe verwendet, die Aktualisierungen von Möbeln der Entstehungszeit der Villa darstellen sowie als dritte Gruppe Stücke aus den Sammlungen der Bauherrschaft. In der Verbindung der drei Gruppen entstand eine Möblierung, die sich durch eine durchgehende Stimmung auszeichnet, dabei aber eine einheitliche Stilistik vermeidet.
Die Materialisierung des Erdgeschosses ist mit Böden und Täfern weitestgehend bestehend. Neu verstärken kräftige Wandfarben die Stimmungen der einzelnen Räume. Halle, Vestibül und Veranda bilden dabei zwischen Eingang und Gartenausgang eine Folge eher heller Räume. Die Räume für den Aufenthalt – Speise-, Kaminzimmer und Salon – sind dagegen dunkler und kräftiger gehalten. Wie die Räume im Erdgeschoss weisen auch jene im ersten Obergeschoss je einen eigenen Charakter auf, der im wesentlichen auf unterschiedlichen Wandfarben basiert. Im Obergeschoss sind sie bunter und heller als im Erdgeschoss gewählt. Im Dachgeschoss ist die Farbigkeit wieder reduziert. Einerseits wird damit dem beschränkten Lichteinfall über die Gauben Rechnung getragen, andererseits auf die komplexen Raumgeometrien und Dachschrägen eingegangen. Farbe wird hier verstärkt über die Möblierung eingebracht.
Stadtraum und Architektur
Das Stadtquartier Hottingen zeichnet sich durch eine grosse Homogenität aus. Diese ist weniger einer durchgehenden Bebauungsstruktur geschuldet, als der Qualität der Freiräume: prägend für das Quartier sind die Strassenräume, Gärten und teilweise alten Baumbestände. Die Bauten hingegen umfassen sowohl einzelne Villen, solitäre Mehrfamilienhäuser als auch grossmassstäbliche öffentliche Bauten (Rämibühl, Spital u.a.).
Diese stadträumliche Situation findet sich im Projektperimeter und der Aufgabenstellung wieder: eine strassenbezogene Villa steht in Beziehung zu einem kleinen Atelierhaus (so wird die eingeschränkte Situation an der Pestalozzistrasse interpretiert) sowie einem grösseren Mehrfamilienhaus im Innern des baumbestandenen Grundstücks.
Das Projekt entzieht sich vor dem Hintergrund dieser Feststellung einer eindeutigen typologischen und stilistischen Zuordnung. Seine Verankerung im Kontext wird in einer den spezifischen Anforderungen des Grundstücks verpflichteten Volumetrie sowie einer atmosphärischen Affinität zum Ort gesucht: So besetzt das Volumen weder eine Strassenflucht (aufgrund des Baumbestands nicht möglich) noch die Parkmitte (wie die Villen), sondern verspannt sich mehrdimensional im Grundstück und erzeugt von keiner Seite klassische Repräsentationsräume. Vielmehr wird die Nähe zu den bestehenden Bäumen an den Flanken des Grundstücks gesucht, die damit zu einem bestimmenden Teil der Architektur werden.
Formal orientiert sich das Haus deshalb auch weniger an den umgebenen Bauten und deren klassischem Formvokabular als vielmehr an Naturformen oder Ruinen, jener architektonischen Form, die den Naturformen am nächsten steht.
Wohnungen: Figur und Kammer
Das Haus besteht aus drei Vollgeschossen und einer Attika. Die vier Wohnungen auf einem Geschoss sind jeweils in ihrer Höhenlage leicht zueinander versetzt, was aufgrund der Vertikalerschliessung möglich wird und die Plastizität und Vertikalität des Gebäudekörpers stärkt. Die zwei Regelgeschosse N+1 und N+2 sind identisch, das Hochparterre dazu leicht modifiziert und im Attikageschoss reduziert sich die Anzahl der Wohnungen auf drei.
Die Wohnungsgrundrisse folgen analog der Gestaltung des Baukörpers einer weichen, situativ bestimmten geometrischen Grammatik. Typologisch oszillieren die Grundrisse zwischen «Figur und Kammer»: die offene Raumfigur mit Wohn-, Ess- und Kochbereich kann als Auflösung einer Kabinettstruktur verstanden werden, die sich als gemeinschaftlicher Wohnraum von den zellulären Raumkammern der individuellen Zimmer unterscheidet respektive abgrenzt. Die fliessende Raumfigur besitzt Anstoss an verschiedene Fassaden und schafft Ausblicke in mehrere Himmelsrichtungen. Die Wohnräume bieten unter Einbezug der Eckloggien bis zu drei Ausrichtungen. In der Ausformulierung der Fassadenabwicklung wird eine optimale Belichtung und Besonnung aller Wohnungen erreicht. Die lichte Raumhöhe beträgt 2.80 Meter.
Die Wohnungen in der Villa werden in die bestehende Raumstruktur integriert. Sie erfordern nur geringfügige Umbauarbeiten. Das kleine Atelierhaus an der Pestalozzistrasse bietet aufgrund der Skelettstruktur eine nochmals andere Wohnform mit wenigen, dafür grossen und über die Fassaden erschlossenen Räumen. Die zwei im Regelgeschoss identischen Wohnungen besitzen auf dem Dach respektive auf Gartenniveau jeweils einen zusätzlichen, verschieden nutzbaren Raum zum Wohnen oder Arbeiten.
Eingänge und Garten
Der Zugang zum Haus erfolgt für Fussgänger wie Autofahrer über die Steinwiesstrasse. Die Tiefgaragenrampe wird umbaut, erscheint im Gartenraum als überhohe Stützmauer und fasst respektive privatisiert den Hauszugang. Hortensien begleiten diesen Weg und vermitteln in einer lieblich „gardenesquen“ Art zwischen dem parkartigen Garten und dem Gebäude. Der Hauseingang befindet sich an einer platzartigen, aber doch intimen räumlichen Erweiterung des Weges. Die Eingangshalle ist knapp aber dennoch repräsentativ angelegt und verbindet die beiden Lifte und Treppenhäuser (die Entfluchtung erfolgt direkt aus den Treppenhäusern in den Garten, die Halle kann möbliert werden und benötigt keine Brandabschnittbildung). Ein sekundärer Weg führt von der Irisstrasse von der anderen Seite in die Halle und bleibt den Bewohnern vorbehalten.
Bemerkenswert ist die Art des Fahrstuhls: er führt direkt von der Eingangshalle in die Diele der eigenen Wohnung. Damit endet der öffentliche Raum in der Eingangshalle und der Fahrstuhl ist bereits Teil der privaten Räumlichkeiten. Trotz der «Dichte» im Mehrfamilienhaus kann so jene Privatheit realisiert werden, die den Vorstellungen des gehobenen Wohnens in der Stadt entspricht. Infolge seiner Bedeutung sind die Dimensionen des Lifts grosszügig ausgelegt.
Der vorgefundene Bestand des parkartigen Gartens besitzt eine hohe Qualität. Das Gartendenkmal offenbart die Spuren der Zeit. Im Spannungsfeld zwischen Nutzungsanspruch und Beschaulichkeit erproben wir unsere Achtsamkeit und schreiben die Gartengeschichte weiter. Das Gebäude fügt sich in den alten Baumbestand ein und steht im engen Dialog. Als neues Element wurden Magnolien eingeführt, die zwischen den Bauten tanzen und den von vielen bunten Primeln durchsetzte Rasen bespielen.
Materialität und Ausdruck
Der Neubau ist in konventioneller Massivbauweise erstellt. Die Fassaden sind aussen gedämmt und mit feinziselierter Keramik bekleidet, eine mittlerweile erprobte, dauerhafte und mit Systemgarantie angebotene Konstruktion. Im Innenausbau kommen dem Segment entsprechende Oberflächen zur Anwendung. Als Bodenbelag wurde ein Terrazzo gewählt.
Die mit der Tageszeit ändernden Reflexionen und Farbnuancen der dunkelgrünen Keramik kontrapunktieren die relative Massigkeit und Schwere des Körpers. Als textil wirkendes Kleid antworten die Verkleidung auf die Faltungen in der Fassade: wie zwischen aufgezogenen Vorhängen treten die hell eloxierten Alufenster hervor und geben dem Haus seine unverwechselbare, elegante städtische Adresse.
Der Neubau an der Pestalozzistrasse ist ebenfalls massiv erstellt, mit Decken in Ortbeton und vorfabrizierten Ortbetonstützen. Die Skelettstruktur ist Voraussetzung für umlaufende Bandfenster und die beschriebene Grundrisstypologie. Im Ausdruck erinnert das Haus an protomoderne, bescheidene Atelierhäuser.
Strategischer Ansatz und Betrieb
Aus den objekt- und betriebspezifischen Anforderungen ergeben sich eine Reihe von Prämissen, die gewissermasser vor der ortsbaulichen und architektonischen Formulierung für das Projekt von Relevanz sind. Zunächst ist das die selbstverständliche Aufrechterhaltung des Heimbetriebes während der Bauphase. Diese Prämisse hat zwei Dimensionen: einerseits soll der Altbau während den Bauarbeiten der Erweiterung einwandfrei funktionieren, andererseits soll beim anschliessenden Umbau des Altbaus oder einem späteren Ersatz auch der Neubauteil autonom funktionieren. Das Projekt trägt mit einer entsprechenden Nutzungsverteilung, insbesondere den gemeinschaftlichen Erdgeschossnutzungen und der Erschliessung (Bettenlift), beiden Anforderungen Rechnung.
Eine weitere Prämisse wird in einer betrieblichen Einheit zwischen Altbau und Erweiterung gesehen, die eine hohe betriebliche Effizienz und Flexibilität ergibt. Das Projekt sieht deshalb keinen vom Altbau losgelösten Solitär sondern einen Anbau vor. Damit lassen sich die Abteilungsgrössen individuell respektive entsprechend den Anforderungen der Heimleitung einstellen und zwar zwischen kleinen Wohngruppen mit 5 bis 6 Zimmern und «grossen» Abteilungen mit 15 bis 17 Zimmern. Das Heim lässt sich so mit einem minimalen Personaleinsatz betreiben und determiniert keine weiterführenden Betriebskonzepte. Die Abteilungen sind jeweils geschossweise organisiert, was eine gute Übersichtlichkeit gewährleistet.
Ebenfalls von grosser Bedeutung hinsichtlich der strategischen Ausrichtung ist der Umgang mit dem Altbau. So besitzt der Altbau aufgrund seiner eindrücklichen Geschichte zweifellos eine grosse Bedeutung für die Identität des Heimes wie auch des Ortes. Andererseits genügt er in seiner räumlichen Struktur, die weitgehend in Abhängigkeit zur Tragstruktur steht, keineswegs mehr heutigen Ansprüchen an ein zeitgemässes Altersheim. Effektive Anpassungen würden Eingriffe verlangen, die einen Erhalt schon mittelristig in Frage stellen. Das Projekt sieht deshalb vor, den Altbau in seiner räumlichen Struktur zu belassen und einzig die im Programm erwähnten haustechnischen Erneuerungen gegebenenfalls anzugehen. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: entweder wird der Altbau unmittelbar nach Fertigstellung der Erweiterung ersetzt, oder er bleibt in seiner heutigen Form für weitere 10 bis 20 Jahre bestehen und mit minimalsten Mitteln unterhalten. Im Projekt ist auch das erste Szenario mitgedacht und entworfen worden, sodass sich auch im Falle eines kompletten Ersatzneubaus eine gute ortsbauliche und architektonische Lösung ergibt. Erste Schätzungen haben gezeigt, dass dieses Szenario in wirtschaftlicher Hinsicht Sinn machen würde.
Eine letzte Prämisse betrifft schliesslich den «Charakter» des Heims. Absicht des Projektes ist hierzu eine Art «Allrounder-Heim», das schwach determiniert und flexibel ist. Dabei geht es im Projekt nicht um eine betriebliche Spezialisierung oder Optimierung beispielsweise bezüglich Demenz-Kranken. Vielmehr soll das Heim offen sein für Menschen unterschiedlichen Alters und Gesundheitszustandes. Die Gliederung in Einheiten mit 5 bis 6 Zimmern erlaubt aber die Abtrennung einiger Zimmer für spezielle Anforderungen.
Ort und Baukörper
Die Situation am Rande des Weilers Weieren ist einzigartig. Bestimmend ist dabei der dreiseitige Anschluss an Landwirtschaftsland, welches die Parzelle gewissermassen freistellt und für das Altersheim eine sehr gute Besonnung und interessante Bezüge in die Weite ergibt. Das Volumen des Erweiterungsbaus besitzt eine einfache Gliederung, welche einerseits eine gewisse «Robustheit» in dieser offenen Situation besitzt und darüber auch in der Fernwirkung eine Klarheit aufweist, andererseits aber auch Aussenräume fasst, welche in dieser «exponierten» Lage Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner schaffen. Diesbezüglich ist auch eine vom Gebäudekörper losgelöste Gartenlaube von Bedeutung, die einen intimen Gartenraum mit dem Haus aufspannt. Die Gliederung des Baukörpers verrät zudem etwas über seine innere Organisation: das Gebäude kann nämlich auch als Konglomerat von drei Einzelhäuser gelesen werden, die jeweils eine Wohngruppe mit 5 bis 6 Zimmern pro Geschoss beherbergen.
Ähnlich dem Altbau besitzt auch der Erweiterungsbau keine Vor- und Rückseite, sondern entwickelt allseitig ein Gesicht. Hierbei sind insbesondere ausladende Vordächer von Bedeutung. Die Dreigeschossigkeit erzeugt ein interessantes Spannungsverhältnis mit dem Altbau, ohne diesen zu konkurrenzieren. Drei Geschosse erscheinen aber auch in betrieblicher Hinsicht notwendig. Die Erweiterung ist aussen mit Holz materialisiert, was wiederum zu erwähntem Verhältnis beiträgt: es wird ein ambivalenter Ausdruck zwischen «Eigenständigkeit» und einem «Nebengebäude» im Sinne eines Ökonomieteils angestrebt.
Architektur und betriebliches Konzept
Der Neubau weist eine einfache innere Organisation der Nutzungen auf: im Erdgeschoss befinden sich sämtliche gemeinschaftlichen Nutzungen, die in einer offenen, fliessenden Räumlichkeit untereinander verbunden sind. Durch ihre Lage um einen gefassten Gartenraum ergibt sich eine starker Bezug von Innen und Aussen, welcher den Bewohnern insbesondere in den warmen Jahreszeiten zugute kommt. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die drei Alterswohnungen, die mit ihrer Ausrichtung nach Osten über eine gewisse Unabhängigkeit verfügen. Im Osten befinden sich den auch deren Zugänge über einen eigenen Vorgarten. Alt- und Neubau sind im Erdgeschoss über flache Rampen intern verbunden, die aus einer Mehrhöhe im neuen Erdgeschossteil resultieren (im Altbau lediglich 2.40m!).
Mit dem Neubau wird auch ein neuer, öffentlich formulierter Eingang geschaffen und zwar im mittleren, ähnlich einem Risalit vorspringenden Gebäudeteil vom Zugangsweg aus. Daran anschliessend befindet sich eine Lobby mit Cheminee. An die Lobby angelagert ist mit einer öffenbaren Verbindung der Essraum, von wo aus die Bewohner über die Bar/ den Kiosk weiter in die Cafeteria gelangen, wo ein weiteres Chemniee Wohnqualitäten verspricht. Ebenfalls von der Lobby abgehend findet man die Verbindung in den Altbau. Die Küche befindet sich direkt neben dem Essraum ebenfalls im Erdgeschoss, ist darum gut belichtet und betrieblich gut gelegen. Die Anlieferung der Küche erfolgt über das Untergeschoss respektive eine aussen liegende Treppe mit Treppenlift. Der Neubau funktioniert auch im Falle eines Umbaus oder Ersatzes des Altbau vollumfänglich. Im Erdgeschoss des Altbaus werden die Nutzungen neu verteilt.
Die beiden Obergeschosse des Neubaus sind identisch organisiert. Nach Süden und Osten orientiert (Säntis) befinden sich je zwei Zimmerschichten, die zusammen mit seitlich respektive rückwärtig gelegenem Wohn- und Kochbereich Wohngruppen ergeben (jeweils ein Zimmer hat die Grösse eines Doppelzimmers). Die offene Erschliessungszone lässt unterschiedliche Betriebskonzepte und Abteilungsgrössen zu. Beide Wohngruppen eines Geschosses verfügen nebst dem Wohnbereich auch über einen eigenen Aussenraum nach Süden. Im Altbau wird an der räumlichen Organisation nichts verändert. Sie bildet dementsprechend eine dritte «Wohngruppe».
Die Architektur soll in ihrer räumlichen Entwicklung und Materialisierung eine hohe Wohnlichkeit vermitteln und die Bewohner mehr an eine Pension oder Gaststube und auf keinen Fall an ein Spital erinnern. Der Erschliessungbereich lädt zu «Spaziergängen» und Begegnungen im Haus ein und Fenster mit tiefen Brüstungen sollen auch sitzenden oder liegenden Bewohnern Ausblicke und Licht gewähren.
Aussenraum
Mit dem Neubau wird auch der Aussenraum neu gestaltet. Dazu wird die «Aufschüttung» um Altbau mit dem Aushubmaterial des Neubaus südseitig ergänzt, sodass eine schwellenlose Verbindung von Innen- und Aussenraum gegeben ist. Bestimmendes Element im Aussenraum ist eine Laube, die ähnlich dem bestehenden Pavillon und zusammen mit dem Gebäude einen gefassten Gartenraum aufspannt und den Bewohnern einen von der Sonne und Wind geschützten Aufenthalt im Freien gewährt. Vor dem Altbau erweitern zwei Reihen mit geschnittenen Linden die Laube. Im weiteren gliedern grosse Einzelbäume, ein Wasserbecken sowie ein Hochbeet (wo die Bewohnern «gärtnern» können) den Aussenraum.
Konstruktion und Materialisierung
Das kompakte Volumen des Neubaus wird in einer einfachen und ökonomischen Stützen-Platten-Struktur aus Ortbeton realisiert. Diese Tragstruktur folgt dem Grundsatz der Systemtrennung und ist für zukünftige Anpassungen im Grundrisslayout flexibel. Die Fassade besteht aus vorgefertigten Holzelementen mit guter Wärmedämmung. Die Innenwände werden in ökonomischer Leichtbauweise konstruiert (bspw. Gipsständerwände). Die Materialien des Innenausbau sollen einfach, robust und zweckmässig sein. Parkettböden versprechen eine hohe Wohnqualität und Behaglichkeit.
Die hohe Kompaktheit des Volumens sowie ausreichende Dämmstärken entsprechen dem Minergiestandard und versprechen einen energieffizienten Betrieb. Die Ausrichtung der Wohnräume gewährt zudem eine gute Nutung der solaren Energiegewinne.