Anthropomorphe Form
Die Installation Anthropomorphe Form anlässlich der Ausstellung der Swiss Art Awards 2021 nimmt mit seiner textilen Decke die gesamte Ausstellungshalle ein und verwandelt diese als raumfüllendes Werk in einen neuen architektonischen Raum. Dieser lässt an die temporären Bauten von Festzelten denken, obwohl dieser Eindruck durch die sich kontinuierlich ändernde Form des Stoffes augenblicklich wieder zerstört wird.
Das transluzide Textil ist an dünnen Seilen in fünf Achsen aufgehängt, wobei jedes Seil über einen von zweiundvierzig Motoren bewegt wird. Die Steuerung der Motoren erfolgt über einen Algorithmus, der unterschiedliche Parameter der menschlichen und atmosphärischen Aktivität verarbeitet: den Geräuschpegel, die Anzahl und Verteilung der Besucher, die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen usw.
Das textile Dach wird so zum eigentlichen Organ der anwesenden Besucherinnen und Besucher und bildet fast unbemerkt immer wieder andere Räume als Hintergrund für die Ausstellung – mal nehmen sie eine monumentale Gestalt an, mal sind sie intim, mal wirken sie architektonisch, dann wieder organisch. Das Textil formt ein archaisches Zeltdach oder hüllt die Anwesenden in eine mimetische Wolke.
Die Arbeit thematisiert somit den Einfluss des Menschen auf die Umwelt in der wir uns bewegen und die traditionell feste Architektur in einem subtilen Kommentar zu unserem Zeitalter des Anthropozäns.
Das Haus steht etwas abgerückt von der Strasse auf einer grossen Wiese. Es misst vierzig auf achtzehn Meter in der Grundfläche, hat vier Geschosse und ein Dach. Auf der offenen Südseite spiegelt sich das Astwerk der alten Bäume in der Glasfassade der Laube. Das Haus ist etwas zwischen Gewerbegebäude und Palazzo.
Zunächst haben wir uns gefragt, wie man abseits der Zentren, auf dem sogenannten Land wohnen könnte. Entstanden sind Wohnungen mit einfachen, grossen Räumen, immer gleichen Zimmern, hohen Türen und einer hölzernen Laube. Die Materialien sind fast ein wenig rustikal, die Konstruktionen handwerklich und robust.
Und wir haben bei der Arbeit ein paar Entdeckungen gemacht: Beispielsweise das Potential der Spenglerarbeiten für den architektonischen Ausdruck oder die Bedeutung von Nebenbauten zur Verankerung eines so grossen Hauses in der Umgebung – mit dem Velohaus an der benachbarten Brandwand, dem Rundpavillon auf der Wiese oder den Pergolen und Mauerfragmenten zwischen Haus und Strasse.
Das Haus an der Schulstrasse ist unser kostengünstigstes Projekt: für weniger als zehn Millionen Franken konnten wir hier fast vierzig Wohnungen bauen.
Lektüre des Ortes
Die Schulanlage Chliriet liegt zwischen den Gemeinden Rümlang und Oberglatt in einem ehemaligen Feuchtgebiet, welches beim Bau des Flughafens Kloten weitgehend trocken gelegt wurde. Dieser weite Landschaftsraum wird durch die Ebene, Flurwege und schmale Feldstreifen geprägt. Baumsäume entlang den kanalisierten Bachläufen betonen die geometrische, linear strukturierte Landschaft.
Alte Flugaufnahmen zeigen mit Bäumen bewachsene kleine Erhebungen in der damaligen Moorlandschaft. Noch heute sind diese leichten Erhebungen in der ansonsten völlig flachen Allmend gut erkennbar. Auf dem Vorplatz der bestehenden Mehrzweckhalle befindet sich eine solche «Insel», mit über hundertjährigen Eichen.
Die Mehrzweckhalle, ein funktionaler und in sich stimmiger Bau, steht selbstverständlich in diesem ruralen Kontext. Die Sportfelder liegen frei in der Ebene angeordnet und bilden ein allseitig offenes Gefüge von Flächen, gruppiert um die alten Bauminseln.
Der vorliegende Projektvorschlag entwickelt sich unter anderem aus diesen landschaftlichen Gegebenheiten.
Volumen und Aussenraum
Das flache, lineare Volumen des neuen Schulhauses steht parallel zum Flurweg und betont den landschaftlichen Bezug zu den Feldern der Allmend. Von allen Schulzimmern im Osten öffnet sich der Blick in die weite Landschaft. Gleichzeitig wird ein Aussenraum zwischen dem Schulgebäude und der Mehrzweckhalle aufgespannt. Durch das Ausknicken des grossen Vordachs mit dem zentralen Eingang verankert sich das Volumen im Kontext und nimmt auf subtile Art Bezug zur gegenüberliegenden Mehrzweckhalle. Dank der stirnseitigen Dachsilhouette erhält das Gebäude dorfseitig eine einprägsame Ankunftsadresse ähnlich der Mehrzweckhalle.
Auf dem Pausenplatz nehmen baumbestandene, elliptische Kiesflächen das Thema der bestehenden Rasenellipsen vor der Halle auf. Diese werden zum Filter für den Pausenplatz und sind mit ihren Sitzelementen und Hängematten Orte der Begegnung und zum Chillen geeignet. Das zum Pausenplatz weit auskragende Vordach schafft einen gedeckten Aussenbereich für eine Vielzahl von Schülergruppen ganz unterschiedlicher Grössen.
Die Velos werden mit einem doppelgeschossigen Parksystem direkt an der Stirnfassade der Mehrzweckhalle angeordnet und sind vom Schulhaus gut einsehbar. Die Zufahrt für die Autos und die Anlieferung erfolgt ab der Grabenstrasse, die Lehrerparkplätze sind auf selbstverständliche Art beidseitig der Zufahrtstrasse vorgesehen. Die Wiese südlich des Schulbaus wird für eine spätere Erweiterung freigehalten und soll vorerst mit einzelnen, freistehenden Bäumen bepflanzt werden. Durch den Neubau soll die vorhandene Qualität des weiten, durchlässigen Landschaftsraumes gestärkt werden.
Gliederung des Schulhauses
Die Raumstruktur des Schulhauses orientiert sich an ruralen Typologien und Ordnungsprinzipien. Sich wiederholende Einheiten werden zu einfachen Raumgruppen aufgereiht. Die einzelnen Raumgruppen sind im Grundriss direkt ablesbar. Aus dieser unmittelbaren Tektonik entsteht ein räumlicher Reichtum, wie er landwirtschaftlichen und gewerblichen Bauten eigen ist.
Ausgehend vom Raumprogramm werden die Funktionen des Hauses auf zwei Geschosse verteilt. Im Erdgeschoss befinden sich die Lehrerzimmer, die Spezialklassenzimmer wie Werken und Handarbeit sowie die naturwissenschaftlichen Räume mit innenliegenden Materialräumen und grossen Fenstern zur offenen Landschaft im Osten. Eine langgezogene Erschliessungshalle mit zwei Haupteingängen dient als zentraler Ankunfts-, Begegnungs- und Verteilraum. Die Schülerschränke und Toilettenanlagen, der direkte Blick in den Pausenraum und die Treppen in das Obergeschoss, vor allem aber die von Fluchtwegauflagen befreite, individuelle Möblierbarkeit, stärken diesen Raum als verbindendes Zentrum. Im Sommer können alle Türen geöffnet werden, sodass die Atmosphäre einer Freiluftschule aufkommt.
Sämtliche Klassenzimmer befinden sich im Obergeschoss. Sie profitieren von einem Blick in die weite Landschaft und der idealen Belichtung aus Nordosten. Zusätzlich wird jedes Zimmer über ein hochliegendes Fensterband auch von Südwesten belichtet. Zusammenlegbare Gruppenräume mit grossen Fenstern zum Pausenraum ergänzen das Raumangebot. Jeweils zwei Zimmer bilden einen Cluster mit separater Erschliessung. Diese intimen Vorräume können dank dem aussenliegenden Fluchtbalkon durch die beiden angrenzenden Klassen individuell möbliert und genutzt werden. Durch Dreh- und Falttüren können ganz unterschiedliche Raumbezüge hergestellt werden. Arbeitssimse an den Fenstern der Klassenzimmer, aber auch in den Gruppen- und Vorräumen runden den hohen Gebrauchswert dieser Clustereinheiten ab.
Im Untergeschoss ist neben dem Technikraum primär die geforderte Lagerfläche angeordnet. Über einen unterirdischen Verbindungsraum und einen Warenlift an der Aussenseite der Mehrzweckhalle ist diese pragmagmatisch und funktional erschlossen.
Inputraum / Atelier / Palavrium
Da sich die Unterrichtsformen und pädagogischen Methoden nicht nur im Oberstufenunterricht in einer Umbruchphase befinden, soll die Raumstruktur des neuen Schulhauses viel ermöglichen und wenig unterbinden. Neben dem bewährten Frontalunterricht sollen, basierend auf dem Lehrplan 21, auch neuere Lehrformen wie das „Selbstlernen“ in Lernlandschaften möglich sein.
Dieses zum Beispiel in Buchs praktizierte Unterrichtskonzept erfordert für jede Klasse drei Räume, die gleichzeitig ganz unterschiedlich genutzt werden können. Während im eigentlichen Klassenzimmer durch die Lehrperson gezielte Inputs vermittelt werden, arbeiten einzelne Schüler im stillen Atelier (Flüsterton) an ihren Lernzielen und eine kleinere Gruppe kann im Vorraum – dem Palavrium – üben, sich in einer Fremdsprache zu unterhalten. Erfahrungsgemäss ist ein solcher Lerncluster in der Grösse von ca. 50 Schülern ideal und es ist förderlich, wenn die gesamte Lernlandschaft, inklusive dem Palavrium, individuell eingerichtet werden kann. Das vorliegende Projekt ermöglicht die anvisierten Unterrichtsformen des Lehrplans 21 auf geradezu idealtypische Art.
Brandschutz, Rollstuhl und Putzen
Die neue Brandschutznorm ist für die Umsetzung von Lernlandschaften ideal, wird doch das Flüchten über einen angrenzenden Raum auf dem gleichen Geschoss bis zum Fluchtweg explizit erlaubt. Durch den Fluchtbalkon im Obergeschoss sind somit alle Räume im gesamten Schulhaus von den Anforderungen eines Fluchtweges befreit und können durch Schüler und Lehrer individuell eingerichtet werden. Um die Fluchtweglängen einzuhalten sind drei Treppen erforderlich, welche unten und oben durch Türen geschlossen werden können. Es obliegt somit dem Lehrerkollegium zu entscheiden, ob der Fluchtbalkon im Alltag vom Pausenplatz her zugänglich ist oder nicht.
Neben den feuerpolizeilichen Anforderungen gewährleistet der Balkon auch die Einhaltung des behindertengerechten Bauens und dient dem Hauswart zur treppenfreien Erreichbarkeit aller Räume. Über einen Lift in der Toilettenraumschicht, mit direkt angrenzendem Putzraum, können alle Räume mit Reinigungsmaschinen erreicht werden. Die Türen zwischen zwei Klassenzimmern sind nicht nur zur Aufsicht bei kurzfristigen Ausfällen von Lehrpersonen nützlich, sondern dienen dem Hausdienst auch für einen direkten Zugang von Zimmer zu Zimmer.
Struktur und architektonischer Ausdruck
Die konstruktive Logik des Hauses leitet sich, gleich wie die räumliche Ordnung des Projekts, von Fügungsprinzipen ruraler Bauten ab. Unter den Prämissen einer möglichst kostengünstigen und nachhaltigen Konstruktion soll alles so direkt und einfach wie möglich gefügt werden. Indem die verschiedenen architektonischen Elemente mit unterschiedlichen Farben behandelt werden, wird die Autonomie der einzelnen Elemente als Teil des Ganzen weiter gestärkt. Zugleich entsteht ein räumlicher und atmosphärischer Reichtum, der sich von der üblichen «Homogenisierung» absetzt und seine Identität vielmehr aus einer die Konstruktion betonenden Farbigkeit erlangt. Der Holzbau ermöglicht die Konstruktion von Innen nach Aussen fortzusetzen, sodass das neue Schulhaus mit seiner durchlaufenden Farbigkeit leicht und offen erscheint.
Über der auf Pfählen abgestellten Bodenplatte wird das Schulhaus als reiner Holzbau vorgeschlagen. Die Primärstruktur soll als sichtbare Zangenkonstruktion ausgeführt und mit Holzelementen überspannt werden. Um die Flexibilität der Grundstruktur nicht einzuschränken, werden alle Wände in Leichtbaukonstruktion ausgeführt. Die Holzmetallfenster können durch aussenliegende Textilstoren beschattet werden. Die Stirnseiten sollen mit hinterlüfteten Paneelen verkleidet werden. Insgesamt erhält der Entwurf durch seine leichtfüssige Direktheit eine unverwechselbare Identität.
Stadtraum und Quartier
Der von A. H. Steiner um 1948 als Gartenstadt entworfene Stadtteil Schwamendingen besitzt noch heute seine Gültigkeit und hat viel von seinem ursprünglichen Charakter als Zürichs «Gartenzimmer» behalten. Er zeichnet sich durch Wohnquartiere mit zeilenförmigen Bauten von geringer Dichte und Höhe sowie durchlässige Aussenräume aus. Weitläufige Rasenflächen und oftmals feine Abstufungen der Nutzungsintensitäten und Öffentlichkeitsgrade prägen den Charakter des Freiraums. Infolge der anstehenden Erneuerung von grossen Baufeldern im gesamten Stadtteil stellt sich die Frage, ob und in welcher Art die bestehenden Qualitäten trotz der deutlich höheren Bebauungsdichte beibehalten werden können. Wir sind der Meinung, dass die Eigenarten des Steinerplans – der durchgrünte Stadtkörper mit offener Siedlungsstruktur – gerade heute einer zeitgemässen Wohnvorstellung entsprechen und weiterentwickelt werden können.
Die geplante Wohnüberbauung Riedacker liegt am Rande dieses noch weitgehend aus Altbauten bestehenden, homogenen Stadtkörpers. Hier treffen öffentliche Einrichtungen wie die Kirche auf Einfamilienhäuser, spätmoderne Stadtstrukturen auf neuere Fragmente, wie den quadratischen Block im Norden. Westlich des Wettbewerbsperimeters, zwischen Glattwiesenstrasse und Luchswiesenstrasse, liegt ein Gestaltungsplan über mehrere Parzellen vor. Dieser sieht mit vier- bis fünfgeschossigen Zeilenbauten eine sehr direkte Weiterführung der Bebauungsstruktur des Steinerplans vor. Da das Grundstück der Kirchengemeinde, auf welchem mittelfristig ein Ersatzneubau erstellt werden soll, die Grösse für eine Arealüberbauung nicht erreicht, werden auch auf dieser Parzelle die Neubauten die Höhe von maximal vier bis fünf Geschossen nicht übersteigen. Zusammen mit den realisierten und den sich momentan im Bau befindenden Ersatzneubauten werden somit auch in Zukunft zwischen dem Schwamendingerplatz und dem Projektperimeter Eigenschaften der steinerschen Gartenstadt den Charakter des Quartiers prägen.
Im Osten des Perimeters, entlang der Altwiesenstrasse bis hin zum Bahnhof Stettbach, verändert sich die Bebauungsstruktur zu einem heterogen bebauten Gebiet. Nebst den Einfamilienhäusern aus der Gründerzeit an der Riedackerstrasse und einzelnen, geschützten Zeilenbauten der Gartenstadt finden sich grosse Gebiete mit spätmodernen, städtebaulichen Mustern. In den letzten Jahren sind östlich des Projektperimeter bis zum Bahnhof Stettbach grossflächige, solitäre Arealüberbauungen mit zum Teil ganz unterschiedlichen Identitäten entstanden.
Baukörper und Aussenraum
Basierend auf dieser städtebaulichen Analyse knüpft der vorliegende Entwurf zwar einerseits an die inhaltlichen und räumlichen Qualitäten des Steinerplans an, sieht aber zugleich Baukörper mit einer eigenständigen figurativen Ordnung vor, die sich in der typologisch multiplen Situation zu behaupten vermögen und zu den autonomeren Arealen östlich des Perimeters überleiten.
Das Projekt bildet zwei flache, vier- und fünfgeschossige Körper aus, welche mit Vor- und Rücksprüngen ihre Längen unterspielen und sich mit dem Aussenraum verzahnen. Der viergeschossige Neubau befindet sich topografisch höher gelegen im «Innern» des Areals, das fünfgeschossige Haus reicht zur tiefer liegenden Altwiesenstrasse. Der Aussenraum zwischen den beiden Neubauten bewahrt den wertvollen Blickbezug vom Luchswiesenweg bis zur Riedackerstrasse. Über einen leichten Knick, wie man ihn bei den Zeilenbauten des Steinerplans findet, sind sie im Terrain verortet. Obwohl nach Baugesetz stellenweise deutlich höher als vier- oder fünfgeschossig gebaut werden könnte, übernimmt das Projekt die Gebäudehöhen des Steinerplans.
Die Aussenraumgestaltung knüpft an die Qualitäten der bestehenden Gartenstadtstruktur an und führt diese im Sinne eines durchgrünten, durchlässigen Siedlungskörpers weiter. Eine zusammenhängende Rasentopografie umfliesst die beiden Neubauten und verbindet sie nahtlos mit dem Kontext. Einzelne Birken und Rotföhren ergänzen als Solitärbäume den hochwertigen Baumbestand und strukturieren den Raum, ohne jedoch wichtige Sichtbezüge einzuschränken.
Auf der Nordseite verknüpft eine zusammenhängende Erschliessungsfigur die Eingänge mit der Altwiesenstrasse sowie dem Luchswiesenweg und schafft zudem eine neue Verbindung zur Riedackerstrasse. Variable Wegbreiten, Vor- und Rücksprünge sowie Belagswechsel schaffen eine abwechslungsreiche Fläche, die nicht nur als Verbindung, sondern auch als Ort dient, der offen und verschiedenartig genutzt werden kann. Kleine chaussierte Plätze und Nischen, einseitig begleitet durch niedrige Hecken, bieten flexible Spiel- und Aufenthaltsräume für alle Bewohner. Durch eine freie Wegführung sowie einzelne, präzise gesetzte Bäume wird die bedeutungsvolle Geometrie des Viertelkreises der Grundstückgrenze zur Kirchgemeindeparzelle maximal unterspielt.
Eingebettet in die durchfliessende Rasentopografie befinden sich auf der Süd- und Ostseite der Gebäude gemeinschaftliche Gärten, die den Bewohnern als frei und partizipativ gestaltbare Aussenräume zur Verfügung stehen. Die einseitig durch lineare Heckenelemente gefassten Pflanzbeete weisen einen kleinteiligen, privaten Charakter auf und sind lediglich über Gartenplatten erschlossen. Eine bewachsene Pergola aktiviert die Rückseite des benachbarten Garagengebäudes und schafft einen gemeinschaftlichen, lauschigen Gartensitzplatz.
Häuser und Wohnungen
Die vorgeschlagene Wohnungstypologie wird durch das zentrale Raumgefüge von Wohnzimmer, Küche und eingezogenem Balkon bestimmt, das sich auf einer quadratischen Grundfläche entwickelt. Mit einer durchgehenden Verglasung zwischen Innen- und Aussenraum, welche als Oberlichtband zwischen Küche und Wohnen weitergeführt wird, entsteht ein heller, durchlässiger Raum, bei dem die Küche zwar abschliessbar ist, aber räumlich in den Wohn- und Essbereich eingebunden bleibt. Diese Situation, mit einer ausgeprägten Verschränkung von Innen- und Aussenraum, erinnert in ihrer Leichtigkeit an eine Gartenlaube oder bestimmte Atelierhäuser. Damit wird nach einer hohen Kohärenz zwischen Wohnform und volumetrisch-städtebaulicher Konzeption im gartenstädtischen Kontext gesucht – ein gartenverbundenes Wohnen.
Die Wohnungen befinden sich aufgrund der leicht abfallenden Topographie auf der Zugangsseite der Häuser im Hochparterre. Auf der Ost- und Südseite verfügen die Erdgeschosswohnungen über einen ebenerdigen Gartenausgang. Die über Eck geöffneten Balkone bieten allen Wohnungen einen grosszügigen privaten Aussenraum, der im Erdgeschoss über einen Tritt direkt in den Grünraum führt.
Die zwei bzw. drei Hauszugänge befinden sich jeweils west- resp. nordseitig an den Enden und in der Mitte der Baukörper. Von den Eingangshallen, mit einem angrenzenden Kinderwagen- und Veloabstellraum sowie einem zumietbaren Zimmer, gelangt man in die natürlich belichteten Treppenhäuser, welche jeweils drei bis vier Wohnungen pro Geschoss erschliessen.
Die Wohnungen werden über ein grosszügiges, dielenartiges Entrée betreten, von dem aus man direkt in den Wohnraum und die Schlafzimmer sowie teilweise auch noch separat in die Küche gelangt. Anstelle eines Réduits sind Wandschränke im Entrée und in den Erschliessungsräumen vorgesehen. In den grösseren Wohnungen wird ein Zimmer über das Wohnzimmer erschlossen und kann als Erweiterung des Wohnens oder als Schlafzimmer genutzt werden. Die Waschküchen befinden sich im Untergeschoss und werden über ein Fenster des Tiefparterres natürlich belichtet. Von der Tiefgarage und dem dazu angrenzenden Veloraum können alle Treppenhäuser erreicht werden.
Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Die niedrigen, modulierten Baukörper werden mit einem feinmaschigen Netz aus Aluminiumbändern umspannt und in den opaken Fassadenteilen mit Tafeln aus dunklen, druckimprägnierten Bretterschalungen verkleidet. Die Holzmetallfenster aus eloxierten, hellen Aluminiumrahmen bilden ein dezentes Wechselspiel zu den matt gestrichenen Tafelelementen und den dunkel spiegelnden Glasflächen. Das feine Aluminiumnetz auf dunklem Hintergrund umspannt den Baukörper und verleiht ihm die selbstverständliche Eleganz eines Hauses im Garten. Die hellen Ausstellmarkisen betonen den Blickbezug zum Garten und unterstreichen den feingliederigen und transparenten Charakter des Fassadenkleides.
vacancy – no vacancy. Ein performatives Haus der Zukunft
Das englische Substantiv «vacancy» stammt vom lateinischen Verb «vacare» ab und bedeutet «unbesetzt sein» sowie «Zeit haben» und «sich widmen». Der Titel weist auf die Bewohnbarkeit des Mock-ups hin. Damit angesprochen ist auch die Möglichkeit der individuellen Aneignung durch die Bewohnerinnen und Bewohner.
Ausgangslage
Kleinwohnungen
Ein Drittel der Wohnungen in der Stadt und im Kanton Zürich werden von Singlehaushalten bewohnt, ein weiteres Drittel der Haushalte besteht aus Paaren und nur mehr ein Drittel machen Familien und andere Gemeinschaftshaushalte aus (Quellen: Kt. ZH EWR, Kt. ZH GWR, 2019). Die Mehrheit der Singlehaushalte wird von Frauen und Männern zwischen 30 bis 60 Jahren bewohnt. Diese Gruppe von Alleinwohnenden ist stark durchmischt: Studierende, multilokal Wohnende, jüngere Singles, Verwitwete sowie Geschiedene gehören gleichermassen dazu. Die Zunahme von Einzelhaushalten wird begleitet von der Individualisierung der Lebensentwürfe, die dank steigendem Wohlstand und markantem Anstieg des Bildungsniveaus seit den sechziger Jahren fortschreitet. Diese Erkenntnis verlangt nach möglichst flexiblen Kleinwohnungen und der Möglichkeit zur individuellen Aneignung, die dem Pluralismus an Lebensformen und den rasch wechselnden Bedürfnissen unterschiedlicher Bewohnerinnen und Bewohnern gerecht werden kann.
Entwurf einer neuen Wohnform
Die Idee für ein solches Wohnen baut auf der Vorstellung eines «performativen Raumes» auf, der sich individuell dem Bewohner anpasst: Ähnlich einem Kleid legt er sich um den Bewohner, lässt sich öffnen und schliessen, bietet für den leichten Hausrat unterschiedliche Nischen und Stauräume. Im Sinne dieser Performanz werden die grundlegenden Elemente der Architektur neu gedacht: Boden und Decke, Türen und Wände, Einbauten und Möbel, Fenster, strukturelle Elemente, Vorhänge, Spiegel etc. Dabei sind neben den beweglichen Elementen insbesondere zwei fassadenseitige Podeste von Bedeutung. Sie folgen der Idee eines Wohnens mit wenig Mobiliar. Hier wird der Boden zur Sitz- und Liegefläche. Die Erforschung neuartiger, unkonventioneller Wohnformen beschäftigt Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten in Praxis und Lehre. Im Rahmen von 1:1 Modellen hat die Professur Mosayebi gemeinsam mit Studierenden der ETH Zürich das architektonische Potenzial performativer Räumen ausgelotet.
Konstruktion und Materialisierung
Das Mock-up ist ein vorfabrizierter Holztafelbau aus Massivholzplatten (CLT-Platten). Diese kommen sowohl als Wand- wie auch als Deckenelemente zum Einsatz und werden im Ausbau nicht weiter verkleidet, sondern lediglich gestrichen – Trag- und Raumstruktur sind dabei eins. Der Aufbau gleicht dem eines einfachen «Kartenhauses», bei dem die Holztafeln direkt gestapelt werden. Die Horizontalaussteifung erfolgt über die Querstellung einzelner solcher Scheiben. Im Innenausbau prägen neben den Anstrichen auf Wänden und Decken farbige Linolbeläge auf Böden und Podesten den Raumeindruck.
Forschungsthemen
1. Konstruktive Umsetzbarkeit: Bewegliche Bauteile wie Schiebewände, Faltwände oder Drehtüren werden in der Architektur nicht gerne eingebaut, da sie mit einem höheren konstruktiven Aufwand verbunden und die Bauteile anfällig für Störungen sind. Das Mock-up dient dazu, solche beweglichen Elemente prototypisch zu entwickeln und konstruktiv zu verfeinern. Der Fokus liegt hierbei auf der Drehtüre und dem Drehschrank. Schliesslich dient das Mock-up dazu, Schallmessungen vorzunehmen, da für die gewählte Konstruktion mit sichtbar belassenen Massivholzplatten keine entsprechenden Werte bestehen.
2. Verhaltensstudie im Wohnen: Eine weitere Schwierigkeit wandelbarer Räume liegt im trägen Verhalten der Bewohner, das ständige Veränderungen nicht unterstützt. Neues Verhalten wird laut dem Verhaltensforscher BJ Fogg erst dann angenommen, wenn die Veränderung einfach umzusetzen ist (Ability), sie positive Emotionen hervorruft (Motivation) und mit einer Aufforderung (Prompt) belegt wird. Die Verhaltensstudien mit Testbewohnern haben das Ziel, die Veränderungsbereitschaft der Bewohner zu verstehen. Dafür werden unterschiedliche soziale Gruppen für je eine Woche im Mock-up wohnen. Drehwinkelsensoren in den beweglichen Bauteilen werden die Bewegungshäufigkeit sowie die gewählten Winkel messen. Die Testpersonen werden nach dem Aufenthalt mittels eines Questionnaires zur Wohnqualität befragt. Dieser Forschungsteil wird in Kooperation mit dem ETH Wohnforum, Dr. Marie Antoinette Glaser, bearbeitet.
Hintergrund
Grundlage des Mock-ups bildet ein Projekt der moyreal Immobilien AG an der Stampfenbachstrasse 131 in Zürich, das Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten entworfen haben. Mit dem Mock-up wird das räumliche und konstruktiv-technische Zusammenspiel der Bauteile im bewohnten Alltag prototypisch getestet. Das Mock-up ist ein Beitrag zur Forschung in der Praxis.
Folgende Sponsoren und Partner haben zum Erfolg des Projekts beigetragen:
Engel & Völkers Schweiz, Flück Holzbau AG, KLS Müller AG, moyreal immobilien ag, Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, UTO Real Estate Management AG, Verit Immobilien AG, ABB, Argolite AG, Blumer Techno Fenster AG, Böni Gebäudetechnik AG, Christian Fischbacher Co. AG, Ehrat AG, Electrolux AG, Gerflor FEAG AG, Gutknecht Elektroplanung AG, Hansgrohe, Holz Stürm AG, KEIMFARBEN AG, Miele AG, Neumarkt 17 AG, Pfister PROFESSIONAL AG, riposa AG SWISS SLEEP, Preisig AG, REPOXIT AG, Sanitas Troesch AG, Schibli Elektrotechnik AG, Sika AG, SPLEISS AG, Urech Metallbau GmbH, WB Bürgin AG, wlw Bauingenieure AG
Städtebau und Baukörper
Das Quartier Zürich-Oberstrass ist ein altes Zürcher Wohnquartier von hoher baulicher Qualität. Die unmittelbare Nachbarschaft der Narzissenstrasse zeichnet sich durch eine klein strukturierte Parzellierung und solitäre Baukörper aus. Die einfachen, verputzten Häuser sind prismatisch geschnitten, besitzen einzelne vorspringende Erker und Balkone und plastische Dachvolumen – mehrheitlich als Mansardendächer mit aufgesetztem Walm ausgebildet. Zwischen den Häusern und der Strasse bestehen schmale Vorgärten, rückwärtig finden sich intime Gartenräume mit alten Einzelbäumen.
Eine besondere Herausforderung der Aufgabe bestand in baurechtlicher Hinsicht. Die Mehrlängenregelung machte auf der schmalen Parzelle eine Volumenbildung schwierig, die sich gut in den Bestand einordnet, da bereits ab zwölf Metern Gebäudelänge zurückgestaffelt werden muss. Mit dem Projekt wird vorgeschlagen, anstelle der zukünftig zulässigen fünf Regelgeschosse nur vier Regelgeschosse zu realisieren. Damit reduziert sich der Grundabstand um einen Meter. Diese Massnahme hat zwei Vorteile: Erstens resultiert eine bessere städtebauliche Einordnung, indem der Neubau die Traufe der umliegenden Bauten übernimmt. Zweitens ergibt sich eine grössere Geschossfläche, welche erst Wohnungen mit den gewünschten Grössen zulässt.
Der vorgeschlagene Baukörper ist damit in den Grundabmessungen und der Gebäudehöhe den Häusern gegenüber der Narzissenstrasse ähnlich und ordnet sich selbstverständlich in den historischen Kontext ein. Zudem sieht das Projekt eine klassische Gliederung mit Sockel- und Dachausbildung vor. Anstelle einer Flachdachattika mit Vor- und Rücksprüngen wird ein Mansardendach vorgeschlagen, das ein einfacheres und kompakteres Dachvolumen ergibt. Zur Strasse verleiht ein Erker dem Neubau ein unverkennbares Gesicht.
Erschliessung und Aussenraum
Der Hauszugang wird wie im Bestand auf der Bergseite der Parzelle angelegt. Direkt daneben befindet sich die Tiefgarageneinfahrt, die über eine Mauer vom Hauszugang getrennt wird. Durch die bergseitige Einfahrt entsteht auf der Süd- und Westseite ein zusammenhängender Gartenraum, der von den beiden Hochparterrewohnungen genutzt werden kann. Für die oberen Wohnungen wird der Aussenraum zum Schaugarten. Zwischen Haus und Strasse wird ein quartierstypischer Vorgarten angelegt.
Grundriss und Wohnungen
Die Regelgeschosse sind als Zweispännertypologie angelegt. Beide Wohnungen sind dabei primär süd- und südwestorientiert. Gemeinsames Merkmal beider Wohnungen ist im Weiteren eine grosse Wohnhalle. Eine Wohnung ist als strassenbezogene Wohnung konzipiert, die andere als «Gartenwohnung».
In der strassenbezogenen Wohnung liegt die Wohnhalle längs zur Strasse und erfährt über einen Erker an der Narzissenstrasse eine räumliche Ausweitung. An der südwestlichen Kurzseite geht der Wohnraum über in den privaten Aussenraum, seitlich liegt die abgetrennte Küche. Über die Befensterung der Raumkanten besitzt die Wohnhalle Diagonalbezüge in die Achse der Narzissenstrasse. Unerwünschte Einblicke vom frontalen Gegenüber werden so vermieden.
In der «Gartenwohnung» entwickelt sich die Wohnhalle in die Tiefe des Gartens und öffnet sich allseitig in die Bäume. Ein Kamin an der Stirnwand bildet Flucht- und Endpunkt der Halle. Die Wohnhalle ist damit gleichsam ein grosser Wintergarten, im Sommer bei geöffneten Fenstern eine Terrasse in den Bäumen. Der Aussenraum und die Küche sind hier seitlich an der Halle angelagert. Das Haus weist damit zwei sehr spezifische Wohnungen auf, die sich je auf die unmittelbaren Aussenräume beziehen: Strasse und Garten.
Der Wohnungsspiegel wird einfach erreicht, indem zwischen den beiden Wohnungen ein Schaltzimmer besteht: so werden aus zwei 3-Zimmer-Wohnungen eine 2-Zimmer- und eine 4-Zimmer-Wohnung. Die beiden Toiletten der 3-Zimmer-Wohnung werden dabei zur Dusche der 4-Zimmer-Wohnung zusammengelegt.
Im Dachgeschoss befindet sich eine grosse 3-Zimmer-Wohnung. Sie besitzt aufgrund des Mansardendaches eine nochmals eigene Qualität und Stimmung. Auf der Gartenseite ist dem Wohnraum eine grosse Dachterrasse mit Aussenkamin vorgelagert. Vor dem Essbereich befindet sich eine weitere Terrasse. Die Wohnung wird direkt mit dem Lift erreicht. Insgesamt werden neuen Wohnungen angeboten.
Materialität und Ausdruck
Absicht hinter dem Fassadenentwurf ist eine zurückhaltende, diskrete Architektur, die eigenständig ist und gleichzeitig mit dem Kontext vermittelt. Aufgrund der vergleichsweise dichten Situation ist der Anteil an offenen und geschlossenen Fassadenteilen sorgfältig austariert: Sämtliche Fenster verfügen über Brüstungen. In den Wohnräumen sind diese tiefer als in den Nebenräumen, sodass auch im Sitzen Ausblicke bestehen.
Die Materialisierung der Fassaden ist durchwegs mineralisch. Dominant sind die quartierstypischen, farbigen Putzflächen, die über eine vertikal laufende Rillenstruktur ausgezeichnet werden. Die Brüstungen und Eckpfeiler als gliedernde Elemente im Fassadenaufbau sind in veredeltem Beton vorgesehen. Die Holz-Metall-Fenster sind aussen weiss lackiert und kontrastieren mit den dunkleren Geländer- und Handlaufelementen. Das Mansardendach ist mit mattem Blech bekleidet. Die Farbigkeit von Putz, Beton sowie Blech sind aufeinander abgestimmt und stärken so die Plastizität und Ruhe des Gebäudekörpers.
Gärten
Gärten beschäftigen uns seit unserer Studienzeit – sei es in Form von theoretischen Arbeiten oder bei gebauten Projekten. Am Anfang der Auseinandersetzung stand die Vermessung und Beschreibung des manieristischen Gartens in Bomarzo nördlich von Rom, später folgte eine Studienreise nach England, während der wir dem Begriff des Malerischen – dem Picturesque – nachgingen, der eng mit dem englischen Landschaftsgarten und der Landschaftsmalerei verknüpft ist. Unser erstes gebautes Projekt war schliesslich das Haus für einen Gärtner. Gärten faszinieren uns als ideelle Konzepte, als Vorstellungskategorie und als gebaute Räume.
Unser Interesse für Gärten liegt nicht zuletzt in ihrer Ähnlichkeit mit der Architektur begründet. Gärten beziehen sich wie auch Gebäude auf einen spezifischen Ort für den sie eigens entworfen und komponiert werden. Sie schaffen einen eigenen Erfahrungs- und Ereignisraum. Gleichzeitig nimmt ein Garten nie ausschliesslich nur auf seine unmittelbare Umgebung Bezug, sondern zugleich auch auf einen grösseren, kulturellen Kontext und eine umfassendere Geschichte der Ideen. Damit eröffnet der Garten wie jede Kunstform immer etwas Neues, das sichtbar macht, was normalerweise verborgen bleibt. Im Unterschied zur Architektur sind die im Garten verwendeten Materialien allerdings lebendig: sie keimen, wachsen, blühen und vergehen. Ihre bestimmende Eigenschaft ist die stete Veränderung. Das macht ihren Einsatz als «Baumaterial» besonders komplex, denn der Entwurf eines Gartens schliesst die Zeit mit ein. Die jahreszeitlichen Veränderungsprozesse sind Teil der Gestaltung.
Gärten und Häuser
In unseren Entwürfen interessiert uns das Verhältnis von Architektur und Garten in hohem Mass. Idealerweise verklammern sich Architektur und Garten sogar zu einer untrennbaren Einheit und bedingen sich gegenseitig. Dabei ist es nicht nur so, dass die Architektur für das Dauerhafte steht und der Garten für das Vergängliche. Die Architektur kann auch Strukturmerkmale des Gartens übernehmen. Im Fall unseres Wohnhauses an der Steinwiesstrasse in Zürich werden Volumen und Grundriss von malerischen Kompositionsprinzipien bestimmt und eine glänzende Keramikfassade imitiert das Blätterkleid der Bäume, wodurch eine enge Verbindung zwischen Bauwerk und Garten geschaffen wird. Für das Wohnhaus Avellana wurden ebenfalls strukturelle Eigenschaften des Gartens auf die Architektur übertragen. Hier sind es jedoch die Charakteristika des spontan Gewachsenen, Zufälligen und Nichtgestalteten, die sich in der Komposition des Volumens, der Fenstersetzungen und der Farbigkeit der Fassade äussern.
Umgekehrt kann auch der Garten nach architektonischen Gesetzmässigkeiten gestaltet werden. In der Zürcher Wohnüberbauung Guggach gliedern polygonale Wasserbecken den Innenhof des Projekts. Die Reflexion des Himmels setzt sich auf der gefalteten Glasfassade fort, wodurch ein gefasster, urbaner Raum entsteht.
In der Wohnsiedlung Brüggliäcker wurde das Motiv der Gartenlaube aufgegriffen, das jede Wohnung um einen grosszügigen Aussenraum erweitert. Die Laube verankert das Haus sinnbildlich in die Gartenstadt Zürich-Schwamendingen. Auch die Projekte im Schwamendinger Dreieck, an der Obsthalde und jene am Katzenbach führen die Tradition der Zürcher Gartenstadt fort. Der hohe Stellenwert des Aussenraums wird in der genossenschaftlichen Wohnsiedlung an der Toblerstrasse ansichtig, in der ein räumliches Gleichgewicht zwischen Baukörper und Gartenkabinett angestrebt wird.
Beim Wohn- und Geschäftshaus Speich Areal in Zürich-Wipkingen ist es die städtische Flusslandschaft der Limmat, die am Gebäude in einen vertikalen Garten übergeht und seinen Abschluss mit der Bepflanzung der Dachterrassen findet. Eine Villa an der Signaustrasse indessen erlangt erst über die Rekonstruktion des historischen Architekturgartens ihre alte Bedeutung wieder. Die Übersetzung des gewachsenen Gartens in einen steinernen Garten gelingt im städtischen Wohn- und Gewerbehaus Glattpark, wo Architekturfragmente den Hofraum prägen. Das Paradies als immerwährende Utopie und Fluchtpunkt unserer Gegenwart thematisieren die drei Sockelreliefs des Künstlers Christian Hörler in der Wohnsiedlung Am Katzenbach.
Der Garten als Illusionsraum
In unseren Projekten ist der Garten ein wiederkehrendes Motiv: als entwerferischer Resonanzraum, als Sehnsuchtsort oder als motivisches Mittel. Die Möglichkeit, in der Architektur Galerie Berlin auszustellen, sehen wir als Chance für ein eigenständiges und neues Projekt, das nicht die Architektur sondern den Garten ins Zentrum stellt. Die Galerie wird für die Dauer der Ausstellung in einen lebendigen Garten verwandelt: Bäume, Sträucher, Blüten, ein Teich, vermooste Steine, verwitterte Bänke, zwitschernde Vögel, Windgeräusche sowie der Geruch von feuchter Erde, Laub und morschem Holz schaffen ein einprägsames und intensives Erlebnis.
Für einmal kommt das Haus nicht in den Garten, sondern der Garten ins Haus. Diese Umkehrung rahmt den Topos des Gartens und präsentiert seinen eigenen Wert. Der Reiz liegt schliesslich auch in der Herausforderung der Umsetzung: Wie schaffen wir es, einen gewachsenen Naturraum täuschend echt nachzuahmen? Wo und wie verläuft die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit?
Ausstellung
4. November – 17. Dezember 2016
Architektur Galerie Berlin, Karl-Marx-Allee 96, 10243 Berlin
Ausstellungskonzeption
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Daniel Ganz (Landschaftsarchitekt, Zürich), Markus Bühler-Rasom (Fotograf), Lukas Burkhart, Jenna Buttermann, Simon Cheung, Andrea Grolimund, Theres Hollenstein, Charlotte Nobre, Katharina Sommer
Das vom portugiesischen Architekten Júlio de Brito entworfene und 1936 fertiggestellte Wohnhaus verschränkt im Sinne des «Art déco» eine moderne Bauweise (Stützen-/Plattenbau in Stahlbeton) mit der Wohnungstypologie des Bürgertums und dekorativen Elementen im Innenausbau. Im Bestand fällt auf, dass der Dienstbereich der Wohnung nicht wie üblich mit einem zweiten Treppenhaus direkt erschlossen ist.
Der Umbau greift insbesondere im ehemaligen Dienstbereich der Wohnung ein, sieht aber gleichzeitig ein Verschleifen der Eingriffe in den Bestand vor. Raumfolgen mit Entrée, Salon, Flur und Esszimmer wurden beibehalten und durch die Neuplatzierung einiger Türen einerseits teilweise überkreuzt, andererseits wurden zu den orthogonalen Blickachsen neu auch Raumtiefen über die Diagonale gelegt.
Die Wohnung öffnet sich über die Fenster nach Norden und nach Süden. Entsprechend sind die Räume bei Tag entweder sehr hell oder nur wenig belichtet. Über die Verwendung von matten bis brillanten Materialien wird dieses Licht – ähnlich wie in den Stillleben von Willem Claeszoon Heda – diffus gestreut oder geschärft. Die Farbgebung der einzelnen Zimmer differenziert sich aus dem gekammerten Grundriss heraus und eröffnet durch diese kolorierte innenräumliche Staffelung eine weitere Tiefendehnung.
Setzung und Volumetrie
Das Weisse Haus ist das Haus einer jungen Familie. Es liegt in Männedorf – auf mittlerer Höhe zwischen Zürichsee und Pfannenstielrücken –, an einer ruhigen Wohnstrasse mit bescheidenen Einfamilienhäusern der 1940er und 50er Jahre. Die Charakteristik der Grundstücksform besteht in einer Spreizung des Parzellenzuschnitts, die von der Kurve im Islerenweg herrührt: Das Hanggrundstück öffnet sich zum See sowie zu den Bergen. Der Entwurf nimmt mit einer Auffächerung der Räume Bezug auf diese Gegebenheiten und passt sich in das Grundstück und die Landschaft ein. Zur Strasse hin erscheint das Haus eingeschossig und wirkt dadurch zurückhaltend und bescheiden im Ausdruck.
Raum- und Wohnungskonzept
Das Haus verfügt über ein unteres, gartenbezogenes Geschoss und ein oberes mit Blick in die Ferne über den Zürichsee. Als Metaphern beschreiben die Begriffe Landschaft, Horizont und Himmel die Innenräume. Sie weisen auf beiden Geschossen unterschiedliche Raumhöhen auf und werden durch eine horizontal durchlaufende Geschossplatte getrennt – gewissermassen den Horizont des Hauses. Die Überhöhen im unteren Geschoss bestehen aufgrund von Höhenversätzen in der Bodenplatte. Über einzelne Stufen werden sie zu einer inneren Topografie oder eben Landschaft verbunden. Die Wohnräume des oberen Geschosses erhalten ihre Raumhöhen über die Ausbildung einer Dachsilhouette. Je nach Bedeutung des Raumes weisen sie unterschiedliche «Himmel» auf, was auch in den Materialisierungen der Decken seine Ausprägung findet. Türen und Fenster sind sehr unterschiedlich dimensioniert. Im Zusammenwirken mit den Raumhöhen und Lichtsituationen schaffen sie über teilweise extreme Grössenverhältnisse eine bewegte Räumlichkeit.
Das Haus wird bergseitig über eine Eingangshalle betreten, die Tageslicht über eine Oblichtkuppel erhält. Eine Garderobe mit Sitzfenster liegt ums Eck und ist nicht gleich beim Eintreten sichtbar. Die Erschliessung der Wohnräume erfolgt «radial», aus dem zentrierten Innern der Halle in die nach aussen gerichteten Raumkammern. Im oberen Geschoss wird diese Erschliessungsfigur durch eine zweite, «tangentiale» Bewegung zwischen den Wohnräumen überlagert. Sie bildet in der Enfilade zwei flache Diagonalen aus, die sich im zentralen Wohnraum verschneiden. Fluchtpunkt der beiden Diagonalen sind die landschaftlichen Fernbezüge über den beiden Terrassen auf der Südost- und Südwestseite. In der Überlagerung der beiden Bewegungsformen werden Rundläufe geschaffen, es gibt somit keine «gefangenen» Räume. Diese Qualitäten – aus dem Bedürfnis zwischen Offenheit und Intimität erwachsen – knüpfen an Konfigurationen in bürgerlichen Altbauwohnungen an. Die Räume können je nach Situation und Bedarf voneinander abgetrennt werden.
Die Haupträume sind in sich rechteckig, wobei die unregelmäßigen Winkel in den Durchgängen zwischen den Zimmern aufgenommen werden. In den dort entstandenen raumhaltigen Verdickungen können die Türen im offenen Zustand parkiert werden. Die Verdickungen nehmen zudem statische und funktionale Elemente wie Erdbebenwände und Einbauschränke auf. Die Wohnküche mit 2.75 m Raumhöhe bietet mit Aussicht, Abendsonne und einem zusätzlichen Fenster nach Westen einen Aufenthaltsort von hoher Qualität. Zudem gibt es Platz für einen Tisch, der als Arbeitsfläche oder zum Frühstücken dient. Der Wohnraum mit 3.25 m Raumhöhe und Kamin bildet durch die mittige Anordnung und Dimension den Schwerpunkt im Grundriss. Auch die Ausrichtung spielt sich frei von den übrigen Räumen. Das Zimmer hinter dem Cheminée kann unterschiedlich bespielt werden.
Eine im Entrée nordseitig liegende zweiläufige Treppe, die zum Garten- und Schlafgeschoss führt, erschliesst den privateren Wohnbereich. Die Treppe und der untere Vorraum werden über eine hohe, opake Verglasung Richtung Garage belichtet. Von dieser kann das Haus auch direkt über einen sekundären Hauseingang via Zwischenpodest betreten werden.
Die Schlafräume befinden sich im Gartengeschoss, wobei die Hauptschlafräume situativ ein Hochparterre erhalten. Das Gartenzimmer ist überhoch und hat einen direkten, ebenerdigen Zugang zur Gartenterrasse. Das Elternzimmer liegt in Verbindung zum Gartenzimmer; diese sind um zwei Stufen zueinander versetzt. Eine Ankleide liegt im Rücken des Schlafzimmers.
Aussenräume und Garten
Das Projekt bietet unterschiedlich nutzbare Gartenräume sowie zwei Terrassen. Die südwestliche Terrasse, zwischen Küche und Esszimmer, bezieht ihre Qualitäten aus der Präsenz des Sees und profitiert von der Abendsonne. Die südöstliche Terrasse bildet die Erweiterung des Wohnraumes und bietet Sicht auf Wald und Berge.
Ein Sitzplatz im Gartengeschoss mit Plattenbelag befindet sich vor dem Gartenzimmer. Unter der Terrasse ergibt sich die Möglichkeit eines gedeckten Sitzplatzes. Von der Terrasse führt eine Treppe zum Gartensitzplatz.
Einzelne Laubbäume am Islerenweg sowie im Süden spannen um das Haus die Aussenräume auf. Die Muschelzypresse sowie die Zypresse im Osten wurden erhalten.
Ausgangslage
Die denkmalgeschützte Villa Syz an der Signaustrasse in Zürich-Riesbach wurde 1912 von den Architekten Pfleghard & Haefeli gebaut. Sie bildete eine räumliche Einheit mit dem vom jungen Gustav Ammann entworfenen Garten. Den Entwurf hatte Ammann noch im Angestelltenverhältnis bei den Gebrüdern Froebel erarbeitet, die aufgrund einer nach ihnen benannten Seerose noch heute bekannt sind. Der Garten markierte den Übergang vom landschaftlich geprägten Hausgarten zum Architekturgarten. Er wurde in den 1960er Jahren im Zuge der Umnutzung des Hauses zum Bürogebäude und des Baus von Parkplätzen zerstört. Mit dem erneuten Umbau zum Guesthouse mit Kino findet das Gebäude über eine Neuanlage des Gartens, der inhaltlich am Architekturgarten anknüpft, seine alte Bedeutung wieder.
Die zweigeschossige Villa wies im Grundriss eine einfache Raumaufteilung auf, die den grossbürgerlichen Wohn- und Repräsentationsvorstellungen jener Zeit gerecht wurde. Im Erdgeschoss bildeten Eingangshalle und Vestibül eine mittlere Raumschicht für Ankunft und Erschliessung aus. Seitlich daran angegliedert fanden sich grosse Wohn-, Ess- und Gesellschaftsräume. Strassenseitig lagen die dienenden Räume mit Küche und Garderobe. Eine verglaste Veranda markierte den Übergang zum Garten. Im Obergeschoss weitete sich die Halle auf und erschloss die mehrheitlich gartenseitig liegenden Privaträume. Im Dachgeschoss befanden sich weitere Schlaf- sowie Personalräume.
Umbau
Die private Bauherrschaft führt die Villa einer neuen Nutzung zu. Das Projekt beinhaltet den Umbau – inklusive Ausstattung und Möblierung – zu einem gehobenen Bed & Breakfast mit neun Zimmern im Ober- und Dachgeschoss. Für die neuen Badezimmer wurden kleine, zwischenliegende Zimmer geteilt und den Eckzimmern zugeschlagen. Die sanitäre Erschliessung erfolgt in den neuen Trennwänden, sodass Eingriffe in die geschützte Bausubstanz minimiert wurden. Die Gesellschaftsräume im Erdgeschoss sowie der Garten dienen dem Aufenthalt der Gäste, gleichzeitig schafft sich die Eigentümerschaft hier Räume für private Anlässe und Empfänge. Dazu zählt auch der Einbau eines separat zugänglichen Kinos mit Foyer im Untergeschoss. Das Projekt umfasst schliesslich die haustechnische Neuinstallation des Haues sowie den Bau einer kleinen Tiefgarage.
Das Einrichtungs-, Farb- und Materialkonzept nimmt die Entstehungszeit der Villa zum Ausgangspunkt. Die wichtigsten Einflüsse – namentlich die Idee des englischen Landhauses – kamen damals aus England und verbreiteten sich über Deutschland und Wien in Kontinentaleuropa (Protagonisten waren u. a. Hermann Muthesius aus Deutschland und Josef Hoffmann sowie später auch Adolf Loos aus Wien). Zusätzlich wurden zeitgenössische Entwürfe verwendet, die Aktualisierungen von Möbeln der Entstehungszeit der Villa darstellen sowie als dritte Gruppe Stücke aus den Sammlungen der Bauherrschaft. In der Verbindung der drei Gruppen entstand eine Möblierung, die sich durch eine durchgehende Stimmung auszeichnet, dabei aber eine einheitliche Stilistik vermeidet.
Die Materialisierung des Erdgeschosses ist mit Böden und Täfern weitestgehend bestehend. Neu verstärken kräftige Wandfarben die Stimmungen der einzelnen Räume. Halle, Vestibül und Veranda bilden dabei zwischen Eingang und Gartenausgang eine Folge eher heller Räume. Die Räume für den Aufenthalt – Speise-, Kaminzimmer und Salon – sind dagegen dunkler und kräftiger gehalten. Wie die Räume im Erdgeschoss weisen auch jene im ersten Obergeschoss je einen eigenen Charakter auf, der im wesentlichen auf unterschiedlichen Wandfarben basiert. Im Obergeschoss sind sie bunter und heller als im Erdgeschoss gewählt. Im Dachgeschoss ist die Farbigkeit wieder reduziert. Einerseits wird damit dem beschränkten Lichteinfall über die Gauben Rechnung getragen, andererseits auf die komplexen Raumgeometrien und Dachschrägen eingegangen. Farbe wird hier verstärkt über die Möblierung eingebracht.
Städtebau und Volumetrie
Ausgangspunkte für die Entwicklung der Volumetrie bilden die charakteristische Parzellenform sowie die landschaftlichen Qualitäten des Ortes mit drei spezifischen Orientierungen. Die Charakteristik der Grundstücksform besteht in einer «Spreizung» des Parzellenzuschnitts, die von der leichten Biegung in der Berglistrasse herrührt: das Grundstück verfügt über einen vergleichsweise kurzen Strassenanstoss und öffnet sich zum Wald sowie dem Tobeleinschnitt des Erlenbacher Dorfbaches.
Die landschaftlichen Qualitäten des Anwesens bestehen nicht zuletzt aufgrund des Parzellenzuschnitts in einer hohen Präsenz vom Tobelwald im Westen sowie einer dominanten Sichtachse in und über die Baumkronen in den Tobeleinschnitt des Dorfbaches in Richtung Südwesten. Als dritte landschaftliche Orientierung kommt der Blick auf den Zürichsee in Richtung Südosten hinzu, der sich spätestens in den oberen Geschossen über das Dach des südlichen Nachbarn hinweg öffnet.
Die charakteristische Grundstücksform mit ihren drei landschaftlichen Raumqualitäten – dem Wald, dem Tobeleinschnitt und dem Zürichsee – findet in einer Volumentrie mit Y-förmiger Grundfläche ihre Entsprechung. Das Volumen verfügt über eine schmale Stirnseite, die den Anschluss an der Berglistrasse schafft und öffnet sich dann mit zwei weiteren Armen einerseits zur Waldkante und andererseits zu den Baumkronen des Tobeleinschnitts. Die volumetrische Kehle nach Südosten fasst schliesslich die Ausblicke auf den Zürichsee.
Dieser Logik entsprechend werden durch das Volumen unterschiedliche, zonierte Gartenräume geschaffen und im Innern fein abgestufte Bereiche mit sehr privatem bis gemeinschaftlichem Charakter gebildet.
Nutzungskonzept und Wohnungen
Die Grundidee des Nutzungskonzeptes besteht darin, dass individuelles und gemeinschaftliches Wohnen nicht scharf getrennt wird, sondern vielmehr ineinander übergehen kann: Der Gemeinschaftswohnraum dient dabei als Erweiterung der Wohnungen für grosse Essen mit Gästen, gemeinsame Abende unter den Hausbewohnern, als repräsentative Eingangshalle usw. («shared living»).
Das Gelenk zwischen individuellem und gemeinschaftlichem Wohnen bildet eine Split-Level-Treppe, welche drei der vier Wohnungen nicht nur funktional, sondern auch räumlich mit dem Gemeinschaftsbereich verbindet. Auf der Wohnungsseite ist an der Treppe jeweils die Küche – der am wenigsten private Raum der Wohnung – angelagert. Die weiteren Räume der Wohnungen werden dann zunehmend intimer, in den Räumen zum Tobel und Wald schliesslich gibt es keine gegenseitigen Einsichten mehr. Es werden Raumfolgen mit einer sukzessiven Privatisierung angeboten. Die gemeinschaftlichen und individuellen Wohnräume werden über die südöstliche Gebäudekehle zu einer Enfilade zusammengefasst. Das Split-Level schafft über alle Geschosse hinweg eine räumliche Kontinuität, die sich von einem konventionellen Geschosswohnungsbau absetzt.
Die vier Wohnungen bauen auf einer Raumstruktur auf, die vom Garten- bis Dachgeschoss nahezu durchgehend identisch ist. Im Gartengeschoss bildet diese Grundeinheit eine 2.5-Zimmer-Wohnung, auf den beiden Regelgeschossen je eine 3.5-Zimmer-Wohnung und im Dachgeschoss eine 1.5-Zimmer-Wohnung. Über die Geschosse verteilt bestehen drei zusätzliche Zimmer, zwei davon mit Bad. Diese Zimmer können als Gästezimmer, Waschzimmer oder als zuschaltbare Räume dienen, sodass sich die vier Wohnungen in ihrer Grösse erweitern lassen; der Wohnungsspiegel ist entsprechend flexibel einstellbar. Die gewünschte 4.5-Zimmer-Wohnung ergibt sich über das Zuschalten eines der beiden zusätzlichen Zimmer mit Bad zu einer 3.5-Zimmer-Einheit. Dieses Zimmer kann beispielsweise ideal von einem Teenager, einer Pflegeperson, den Grosseltern oder als Büro genutzt werden.
Die Wohnungen werden über die Nordseite und eine aussenliegende Treppe separat und unabhängig von den gemeinschaftlichen Bereichen erschlossen. Die aussenliegende Erschliessung entspricht einem ungezwungenen, informellen, «ländlichen» Wohnen, wie es Hans Fischli in der Schlehstud in Meilen realisiert hat. Über den Haupteingang gelangen die Bewohner zudem zu einem innenliegenden Lift, der sie stufenfrei zu ihrer Wohnung führt. Aufgrund der Liftposition im Zentrum des Hauses sind auch sämtliche zusätzlichen Zimmer und alle weiteren Räume hindernisfrei und altersgerecht erschlossen.
Die Räume der vier Wohnungen sind alle von identischer Grösse und bilden eine Enfilade, die zirkulär entlang der Fassaden erschlossen wird. Über einen innenliegenden Raumkern mit Bad/Dusche, Schrankraum und WC bestehen Shortcuts zu einzelnen Zimmern. Aufgrund der identischen Raumgrössen definiert der Grundriss nicht ein starres Nutzungsbild, sondern formt vielmehr eine offene, polyvalent nutzbare Raumstruktur: Die Räume können sowohl dem Schlafen, Wohnen oder Arbeiten dienen.
Der Gemeinschaftsbereich umfasst neben dem überhohen Wohnraum mit Kamin einen eigenen Eingang, eine Toilette sowie auf dem Gartenniveau eine «Gartenküche». Aus diesem Gemeinschaftsbereich kann bei Bedarf eine eigene, fünfte Wohnung werden. In diesem Fall bestünde der Wohnungsspiegel aus drei 3.5-Zimmer-Wohnungen sowie einer 2.5- und einer 1.5-Zimmer-Wohnung.
Aussenräume und Garten
Die Aussenräume werden primär gemeinschaftlich genutzt. Das Projekt bietet unterschiedlich nutzbare Gartenräume sowie zwei Dachterrassen an. Die westliche Dachterrasse bezieht ihre Qualitäten aus der Präsenz des Waldes. Die südöstliche Terrasse bietet für alle Bewohner Seesicht und dient mit dem angrenzenden Waschraum auch der gemeinsamen Hauswirtschaft.
Der Charakter der Gartenräume sucht die Nähe zu den Ideen der «Naturgärten», wie sie beispielsweise von Eduard Neuenschwander in Gockhausen oder am Irchel realisiert wurden. Es wird ein Idyll angestrebt, dass nicht einer zähmenden Perfektion von Natur verpflichtet ist, sondern im Sinne von Lancelot Brown dem «carefully careless» Raum gibt.
Dem individuellen «Aufenthalt im Freien» dienen die grossen Eckfenster in sämtlichen Wohnräumen, die – über die Gebäudeecken geöffnet – die Räume in den Sommermonaten zu Loggien werden lassen. Sind einmal alle Fenster geöffnet, wird die Wohnung zu einer grossen Terrasse in und über den Baumkronen. Diese Idee folgt dem Idealbild des Curtain Wall House von Shigeru Ban.
Konstruktion und Ausdruck
Das Projekt entspricht dem Wunsch einer einfachen, direkten und wirtschaftlichen Konstruktions- und Materialwahl. Vorgeschlagen wird ein hybrides Tragwerk bestehend aus Ortbetondecken, die auf vorfabrizierten Brettsperrholzscheiben lagern. Die Deckenränder verfügen umlaufend über Aufbordungen, welche die offenen Ecken tragen und im Bereich der Fenster niedere Brüstungen auf Sitzhöhe ausbilden. Aufgrund der identischen Raumstruktur auf allen Geschossen erfolgt die Lastabtragung durchgehend vertikal. Die Unterkellerung beschränkt sich auf die Hangseite. Die Haustechnik wird lediglich über zwei, ebenfalls vertikal durchgehende Schächte erschlossen.
In der vorgeschlagenen Konstruktionsweise ist eine «brutalistische», materialbetonte Anmutung im Innenraum denkbar, bei der sowohl der Beton als auch das Holz naturbelassen wird und einzig der Bodenbelag als Ausbauelement hinzukommt.
Die Konstruktion wird aussen gedämmt und hinterlüftet verkleidet. Je nach angestrebtem Charakter ist eine Verkleidung mit feinem Welleternit («Gartenhaus») oder einem Spenglerblech (Schiffsmetapher) denkbar. Die äussere Materialisierung soll einer «anderen» Zürichsee-Architektur Ausdruck geben, die sich vom gegenwärtigen Mainstream-Chic wohltuend entspannt absetzt. Auch hierzu kann an die Architektur von Hans Fischli in Meilen erinnert werden.
Städtebau und Aussenraum
Das Projekt sieht eine einfache und klare städtebauliche Setzung vor, welche die vorgefundenen stadträumlichen Qualitäten des Quartiers zwischen Badenerstrasse und Hohlstrasse fortschreibt. Vorgeschlagen wird ein langgestreckter, kompakter Baukörper mit durchgehender Traufhöhe (bei leicht abfallender Freihofstrasse). Gleich den Bestandsbauten im Perimeter nimmt das Volumen die Baufluchten an der Freihofstrasse auf und schafft einen wiederum geschlossenen, räumlich ruhigen Strassenraum.
Auf der strassenabgewandten Seite ist das Volumen aufgrund von zwei kurzen Querarmen etwas stärker gegliedert. Die risalitartigen Querarme sorgen für eine gute Belichtung der jeweils drei um ein Treppenhaus angeordneten Wohnungen und eine Zonierung der begrünten Aussenräume, die teilweise den Gartenwohnungen vorbehalten sind, teilweise gemeinschaftlich genutzt werden.
Das Gebäude ist wie alle Bauten im Quartier zur Strasse hin adressiert. Hier finden sich, gefasst von einem ebenfalls quartierstypischen Vorgartenstreifen, die zwei Hauseingänge. Sie sind verglast und verfügen über eine kleine Eingangshalle sowie ein Vordach, was dem Haus eine adäquate städtische Adresse verleiht.
Direkt neben den Eingängen finden sich zwei halbgeschossige Abgänge zu den Veloräumen und Waschküchen. Die Waschküchen erhalten über diese Abgänge natürliches Licht und dienen der Begegnung.
Das Haus weist auf Gartenniveau (N-1) am nördlichen und südlichen Gebäudeabschluss zwei weitere, grosszügige Zugänge auf. Sie dienen den Bewohnern zur Erschliessung der gemeinschaftlichen Räume und des Gartens. Der gemeinschaftliche, mit Laubbäumen besetzte Garten- und Spielbereich befindet sich im Südwesten des Perimeters und verknüpft über den Weg auf Parzelle AL5120 das Haus zusätzlich mit dem Quartier.
Architektur und Ausdruck
In Kohärenz zur städtebaulichen Absicht ist auch die Architektur zurückhaltend vorgesehen. Drei Elemente bestimmen den architektonischen Ausdruck: verputzte, farbige Wandflächen, Lochfenster sowie plastisch ausformulierte, aus vorfabrizierten Betonelementen konstruierte Lauben. Die Lauben sind allseitig in den Gebäudekörper eingebunden und so Teil des Volumens. Die flächigen, verputzten Wandbereiche treten in eine spannungsvolle Beziehung mit dem plastischen Relief der Lauben.
Mit dem architektonischen Ausdruck erhält das Gebäude ein eigenständiges, charakteristisches Gepräge, gleichzeitig wird ein Bezug zu den Bauten der unmittelbaren Umgebung gesucht. Auch diese zeichnen sich durch schlichte, gestrichene Putzfassaden aus, während die Plastizität der Lauben mit ortstypischen Gliederungselementen wie Gewänden, Fensterüberdachungen, Risaliten und Friesen in Verbindung gebracht werden kann.
Die Ziegelfarbe des Kellenwurfputzes wirkt im Kontext der in Ocker- und Brauntönen gestrichenen Bestandsbauten selbstverständlich, soll aber durch einen etwas höheren Buntwert den eigenständigen, zeitgenössischen Charakter des Projektes nicht negieren.
Wohnungen
Die Wohnungsgrundrisse sind kompakt organisiert und weisen eine gute Flächeneffizienz auf (3-Spänner-Erschliessung, keine Erschliessungsflächen innerhalb der Wohnungen). Kernelement und Zentrum der Wohnungen ist ein Koch-/Essraum mit zirka 20 Quadratmetern und einer Breite von 4 Metern (4-/5-Zimmer-Wohnungen), der direkt von einem abschliessbaren Entrée aus erschlossen wird. Daran angelagert finden sich die Individualräume mit durchgehend ähnlichen Flächen, um die 13/14 Quadratmeter.
Das Wohnzimmer ist zum Koch-/Essraum ebenfalls abschliessbar und unterscheidet sich von den Schlafzimmern lediglich durch eine grössere Tür und etwas mehr Fläche. Es kann deshalb auch individuell genutzt werden. Die kleine Flächenvarianz zwischen den Zimmern (13 bis 15 Quadratmeter) ergibt nutzungsneutrale Räume für unterschiedliche Mieterprofile.
Es sind einfache Grundrisse mit einem hohen Gebrauchswert. Hierbei sind insbesondere das abschliessbare Entrée mit angelagertem Réduit und Bad, die gute Möblierbarkeit oder die Wahl der Bodenbeläge zu erwähnen.
Aufgrund der Ost-West-Ausrichtung und der risalitartigen Querarme sind alle Wohnungen von zwei bis drei Seiten gut belichtet. Die grossen Wohnungen verfügen über einen Aussenraum im Osten sowie eine lärmabgewandte Laube im Westen. Die kleineren Wohnungen besitzen einen Aussenraum nach Südwesten.
Das Projekt nutzt das Grundstück voll aus, bietet 33 Wohnungen und 2 zumietbare Einzelzimmer (eines davon mit Entrée und Bad) und erfüllt sowohl den Wohnungsschlüssel als auch die Wohnflächenvorgaben. Zwei Zimmer pro Geschoss sind schaltbar, sodass der Wohnungsschlüssel im Planungsprozess noch verändert werden könnte.
Gemeinschaftliche Räume
Trotz des hohen Nutzungsdrucks kommt den gemeinschaftlichen Räumen grosse Bedeutung zu. Die Wasch- und Trockenräume sowie der Veloreparaturraum erhalten natürliches Licht und dienen als Begegnungsorte.
Die übersichtliche Erschliessung und zwei weitere grosszügige Eingänge auf dem Gartengeschoss (N-1) ermöglichen den Bewohnern Zugang zum gemeinschaftlichen Garten sowie Spielplatz und sorgen für ein einfaches Auffinden der drei grossen Veloräume. Schliesslich stehen den Bewohner zwei Dachterrassen zur Verfügung, die das Aussenraumangebot mit Garten und Lauben um eine dritte Qualität ergänzen.
Konstruktion und Materialisierung
Das kompakte Gebäude wird in einer konventionellen (und nach wie vor günstigsten) Massivbauweise erstellt. Sämtliche Innen- und Aussenwände bestehen aus tragendem Backstein, was zu geringen Spannweiten von max. 4 Metern und dünnen Decken in Recyclingbeton führt. Die Lastabtragung erfolgt durchgehend vertikal; es wurde auf eine weitgehende grundrissliche Übereinstimmung von Regelgeschoss zu Attika- und Gartengeschoss geachtet.
Die Backsteinwände der Fassaden sollen in einem dämmenden Einsteinmauerwerk ausgeführt werden. Ein Einsteinmauerwerk ist zwar etwas teurer als eine Kompaktfassade, dafür aber über die Lebensdauer des Gebäudes praktisch unterhaltsfrei; es verhält sich wie Altbaufassaden, bei denen Putze und Farben vielfach über 50 Jahre alt sind. Gegenwärtige Einsteinmauerwerke sind auf die Dämmanforderungen von Minergie ausgelegt. Das Einsteinmauerwerk wird aussen mit einem robusten Kellenwurfputz verkleidet und mineralisch gestrichen. Bei den Fenstern sind sowohl Holz-Metall- als auch reine Holzfenster denkbar. Aufgrund der aussen angebrachten Storenkästen und der Leibungsausbildung wären auch die günstigeren Holzfenster ausreichend vor Witterung geschützt.
Im Innenausbau sollen wenige robuste und langlebige Materialien zum Einsatz kommen. Das Projekt schlägt vor, in den Bereichen Kochen/Essen, Entrée, Bad und Réduit einen Steinzeugplattenbelag zu verlegen. In den Zimmern ist ein Eichenparkett vorgesehen. Für die Wände wird ein feiner Abrieb vorgeschlagen, die Betondecken werden lediglich gestrichen.
Die Lauben sind freistehend und werden aus vorfabrizierten Betonelementen zusammengesetzt. Damit entfällt auch das Aufbringen eines Bodenbelags am Bau. Die Entwässerung erfolgt über aussen liegende Spenglerrohre oder Speier.
Wirtschaftlichkeit und kostengünstiges Bauen
Das Projekt ist in jeder Hinsicht auf eine kostengünstige Realisierbarkeit ausgerichtet. Zunächst sprechen der kompakte Gebäudekörper mit seiner kleinräumigen, vertikal durchlaufenden Tragstruktur sowie die effiziente Erschliessung mit lediglich zwei Kernen für sechs Wohnungen pro Geschoss für tiefe Investitionskosten. Der Verzicht auf eine Tiefgarage erlaubt die Unterbringung der Untergeschossbereiche innerhalb des Gebäudeumrisses und einen optimierten Aushub ohne vertikale Baugrubenabschlüsse entlang der Freihofstrasse.
Im Weiteren wurde darauf geachtet, dass die freistehenden Lauben soweit wie möglich vom Untergeschoss bis zum Attikageschoss durchlaufen, um aufwändige Abdichtungs- und Dämmarbeiten in horizontalen Flächen zu vermeiden. Die Wahl der Lochöffnungen mit gemauerten Brüstungen benötigt keine Geländer vor den Fenstern und ergibt ein gutes Verhältnis von opaken zu verglasten Flächen. Schliesslich wird eine möglichst hohe Standardisierung der Bauteile angestrebt.
Stadtraum und Quartier
Der von A. H. Steiner um 1948 als Gartenstadt entworfene Stadtteil Schwamendingen besitzt noch heute seine Gültigkeit und hat viel von seinem ursprünglichen Charakter als Zürichs «Gartenzimmer» behalten, der sich durch weitläufige Wohnquartiere mit zeilenförmigen Bauten von geringer Dichte und durchlässigen Aussenräumen auszeichnet. Infolge der anstehenden Erneuerung grosser Baufelder im gesamten Quartier stellt sich die Frage, ob und in welcher Art die bestehenden Qualitäten trotz der deutlich höheren Bebauungsdichte beibehalten werden können. Wir sind der Meinung, dass die Eigenarten des Steinerplans gerade heute einer zeitgemässen Wohnvorstellung entsprechen und weiterentwickelt werden können, sodass trotz der anstehenden Transformation die Qualität eines homogenen Stadtquartiers erhalten wird.
Die Qualität des Steinerplans liegt in seiner formalen Homogenität. Diese wird massgebend durch die repetitive und egalitäre Anwendung des Zeilenbautyps und durch einen kontinuierlich fliessenden Freiraum erreicht. Weitläufige Rasenflächen und oftmals feine Abstufungen der Nutzungsintensitäten und Öffentlichkeitsgrade prägen den Charakter des Freiraums. So wie bei den Häusern eine klare Ausformulierung von Strassen- oder Gartenfassaden unterspielt wird, werden im Freiraum explizit Ausformulierungen von Zugangs- und Gartenseiten oder von scharf determinierten Aussenraumtypen vermieden.
Der vorliegende Entwurf knüpft an den inhaltlichen und formalen Qualitäten des Steinerplans an. Die im Masterplan definierten Baufeldgrössen werden als sinnvolle Grösse einer „Baueinheit“ verstanden.
Baukörper und Aussenraum
Der Entwurf adaptiert den Zeilenbautyp formal neu. Die charakteristische Zeilenform reagiert über Enge und Weite im Aussenraum sowie in der Perspektive verkürzte Baukörper auf die höhere Dichte. In der egalitären Behandlung von Orientierung, Aussenraum und Strassenbezug sowie in der allseitigen Vernetzung und Durchwegung knüpft das Projekt an den Qualitäten des Steinerplanes an.
Das Projekt sieht sechs s-förmig geschwungene Zeilen, jeweils gespiegelt und paarweise gruppiert vor, die das gesamte Baufeld aufspannen. Zusammen mit den leichten Versätzen in den Bauzeilen erhalten die Bauten eine elegante, fein modulierte Gestalt. Eingeschossige Gewerbebauten an der Dübendorferstrasse verorten den Zeilenkopf zur Strasse. Die schlanken Zeilen sind fünf Geschosse hoch und werden durch ein leicht vorspringendes, flach geneigtes Satteldach abgeschlossen.
Die ost-west-orientierten Bauten erzeugen modulierte Aussenräume unterschiedlicher Tiefe, welche sich von der Dübendorfstrasse bis ins Zentrum des Schwamendinger-Dreiecks erstrecken. Sich in Gegenbewegung zur Gebäudezeile schwingende Wege führen zu einer räumlich spannungsvollen Erschliessung des Baufeldes. Das Wegenetz führt die vorhandene quartierstypische Sekundärerschliessung fort und gewährt eine allseitige Vernetzung. Das Wegenetz ist so angelegt, dass die Erschliessung der Hauseingänge ohne zusätzliche Stichwege auskommt und keine Rückseiten, weder im Aussenraum noch bei den Bauten, entstehen. Informell gehaltene Kiesflächen in den Weggabelungen verfestigen Begegnungsstellen und werden als Orte für unterschiedliche gemeinschaftliche Nutzungen vorgesehen.
Häuser und Wohnungen
Der vorgeschlagene Wohnungstyp mit der abtrennbaren Wohnküche ist aus der städtebaulichen Setzung entwickelt und unterstreicht die Schlankheit der Gebäudezeilen. Er vereint die Qualitäten des Durchwohnens mit den praktischen Vorzügen einer abschliessbaren Küche. Die leichten Versätze in den Fassaden ermöglichen jeder Wohnung, neben der primären Ost- und Westorientierung auch einen Blick nach Norden und Süden in die Tiefe des Aussenraums und zu den angrenzenden Baufeldern.
Die Hauszugänge befinden sich an der Stirnseite und in der Mitte der Zeile. Von den Eingangshallen, wo sich Veloräume und Waschküchen befinden, gelangt man ins Treppenhaus, welches jeweils zwei Wohnungen pro Geschoss erschliesst. Alle Wohnungen haben durchgängige, zweiseitig orientierte Wohn-Essbereiche mit Sichtbezug in beide Aussenräume. Das Wohnzimmer mit den Balkonen liegt jeweils, alternierend in jeder Zeile, auf der Seite des weiteren Aussenraums.
Die grosszügige mit einem zusätzlichen Tisch möblierbare Küche ist vom Wohn-Esszimmer abtrennbar. Durch die Oblichter und die Glastüre wird jedoch eine räumliche Transparenz geschaffen. Der einfache Hallengrundriss ist trotz kleiner Wohnungsgrösse und der abtrennbaren Wohnküche grosszügig und verfügt über einen hohen Nutzwert, wobei insbesondere das geräumige Entrée und das grosse Bad an der Fassade zu erwähnen sind. Die vorgeschlagene Grundrisstypologie funktioniert bei allen Wohnungsgrössen optimal.
Am Zeilenende an der Roswiesen-Strasse – nahe bei der Tramhaltestelle – wird das altersgerechte Wohnen angeordnet. Am Zeilenkopf zur Quartierswiese, wo sich das Quartierszentrum befindet, und an der Dübendorfstrasse sind Ateliers und Gewerberäume vorgesehen.
Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Mit dem architektonischen Ausdruck werden, dem städtebaulichen Konzept folgend, die Themen der steinerschen Gartenstadt reflektiert. Die schlanken Gebäudekörper verfügen über ein feinmaschiges Fassadenkleid in dezenter Buntheit und schliessen mit einem dünnen, flach geneigten Dach ab.
Die elegant geschwungenen Gebäudekörper werden mit einem dünnen Fassadenkleid aus Faserzementplatten verkleidet, welche die Vertikale betonen und die Fassade rhythmisieren. Die geschosshohen Holzmetallfenster mit der asymmetrischen Kreuzteilung sind elfenbeinfarbig. Das mit Eternit belegte Satteldach und die Fallrohre aus Zinkblech verweisen auf die bestehenden Bauten und die im Ländlichen verorteten Referenzen der Steinerstadt.
Die Tragstruktur wird als konventioneller Massivbau in Ortbeton und Backstein erstellt. Die Fassade aus vorfabrizierten Holzelementen unterstreicht den Charakter der schlanken Bauten, verbessert die Grauenergiebilanz und hilft den Minergie-P-Standard zu erreichen. Das Satteldach wird als Kaltdach auf dem Massivbau erstellt. Die Materialien des Innenausbaus sind zweckmässig und robust. Bei der Konstruktion wurde auf eine weitgehende Systemtrennung geachtet, sodass Bauteile entsprechend ihrer Lebensdauer einfach ersetzt werden können.
Mit dem architektonischen Ausdruck wie auch der vorgeschlagenen städtebaulichen Setzung der neuen Siedlung werden die Themen der Gartenstadt Steiners aufgenommen und in einer zeitgemässen Architektur und Dichte weiterentwickelt. Sie verwebt sich in selbstverständlicher Art mit dem städtebaulichen Kontext und reflektiert in eigenständiger Weise die Themen der Gartenstadtidee.